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17.03.2026 /06:13:58
WDHLG-FOKUS 1-EU-Kommission will Industrie wegen Iran-Krieg bei Energiekosten entlasten

(Wiederholung vom Vorabend)
Brüssel, 16. Mrz (Reuters) - Die EU-Kommission will die
Folgen der gestiegenen Energiepreise für die Industrie infolge
des Iran-Kriegs abfedern, lehnt radikale Markteingriffe aber ab.
Statt gedeckelter Preise für Erdgas setze sie auf eine Anpassung
des Emissionshandels und staatliche Hilfen, teilte
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag mit. In
einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs im Vorfeld des
Gipfels am Donnerstag skizzierte sie Pläne, dem Markt mehr
Verschmutzungsrechte zur Verfügung zu stellen. Zudem sollen
Industriebetriebe finanziell stärker unterstützt werden.
Forderungen nach weitreichenderen Maßnahmen wie einer
Umgestaltung des EU-Strommarktes lehnte sie ab.

Hintergrund ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der seit seinem Beginn am 28. Februar die Energiemärkte unter Druck setzt. Die europäischen Erdgaspreise sind seither um mehr als 50 Prozent gestiegen. Zwar sei die Versorgung der EU derzeit gesichert, betonte von der Leyen. "Aber der Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe belastet unsere Wirtschaft bereits." Die Kosten für Öl- und Erdgasimporte seien während des Konflikts um sechs Milliarden Euro gestiegen. Um die Kosten zu senken, will Brüssel die Regeln für staatliche Beihilfen lockern, wenn hohe CO2-Preise die Stromrechnungen hochtreiben.

Zudem schlägt die Kommission vor, die Reserve für Emissionszertifikate im EU-Klimahandel anzupassen, um die Preise "kurzfristig im Zaum zu halten", wie es in dem Brief heißt, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Auch der geplante Abbau der Zertifikatemenge könnte verlangsamt werden. Ein Vorschlag zur Überarbeitung des Emissionshandels werde einen "realistischeren Dekarbonisierungspfad für die Zeit nach 2030 festlegen".

Die Vorschläge sind ein Balanceakt zwischen den Forderungen von Ländern wie Italien, den CO2-Handel auszusetzen, und Gegnern einer Aufweichung wie Schweden und den Niederlanden. "Der Markt und die Investoren brauchen Stabilität, deshalb können wir die Regeln nicht von heute auf morgen aussetzen", sagte Polens Energiestaatssekretär Wojciech Wrochna am Montag bei einem Treffen der EU-Energieminister. Die Regierungen wollen eine Wiederholung der Energiekrise von 2022 vermeiden, als die Preise nach der Drosselung russischer Erdgaslieferungen auf Rekordhöhen stiegen. Damals gaben die EU-Staaten mehr als 500 Milliarden Euro für Stützungsmaßnahmen aus. 158 Milliarden Euro entfielen dabei nach Daten der Denkfabrik Bruegel auf Deutschland.

(Bericht von Kate Abnett, Alexander Chituc, Charlotte Van Campenhout, Sudip Kar-Gupta, Susanna Twidale, Miranda Murray und Makini Brice. Geschrieben von Ralf Bode Redigiert von Scot W. Stevenson Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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