Nachricht


05.03.2026 /08:14:53
China setzt Militärflüge bei Taiwan aus - Taipeh rätselt über Motive

Taipeh/Hongkong, 05. Mrz (Reuters) - Vor dem geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump hat China seine Militärmanöver vor Taiwan gedrosselt. In der vergangenen Woche hat es keine Flüge mehr gegeben, wie aus von der Nachrichtenagentur Reuters ausgewerteten Daten der taiwanischen Regierung hervorgeht. Insgesamt schickte China in diesem Jahr bislang 460 Militärflugzeuge in die taiwanische Luftverteidigungszone, in der sich ausländische Flugzeuge identifizieren müssen. Die Zahl der Flüge brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46,5 Prozent ein. Im Februar zählte Taiwan 190 chinesische Flugzeuge. Dies ist die niedrigste monatliche Zahl, seit das Verteidigungsministerium 2022 mit der Veröffentlichung detaillierter täglicher Zahlen begann.

Über die Gründe für den plötzlichen Rückgang wird spekuliert. Zwei taiwanische Regierungsmitarbeiter sagten, der chinesische Präsident Xi Jinping könnte vor einem erwarteten Treffen mit Trump Ende März den Druck verringern wollen, um eine bessere Atmosphäre zu schaffen. "Peking könnte versuchen, den falschen Eindruck zu erwecken: 'Ich bin friedlich, ich strebe Frieden an, also solltet ihr aufhören, Waffen an Taiwan zu verkaufen'", sagte ein hochrangiger taiwanischer Regierungsmitarbeiter.

Als weitere mögliche Gründe gelten eine Säuberungswelle im chinesischen Militär wegen Korruptionsvorwürfen. Die Säuberungswelle traf zuletzt auch hochrangige Generäle. Beobachter sehen darin den Versuch von Präsident Xi Jinping, die Loyalität der Armee sicherzustellen. Taiwans Verteidigungsministerium wies jedoch darauf hin, dass Chinas Marine und Küstenwache weiterhin aktiv seien. Peking habe lediglich die politisch sensibleren Flugaktivitäten zurückgefahren.

Die Volksrepublik betrachtet die demokratische Inselrepublik als Teil ihres Staatsgebietes und schließt eine militärische Eroberung nicht aus. Taiwan weist die Ansprüche zurück: Nur die Inselbewohner könnten über ihre Zukunft entscheiden.

Zu Beginn des Nationalen Volkskongresses in Peking schlug die chinesische Führung harte Töne an. Man werde "separatistische Kräfte, die auf eine 'Unabhängigkeit Taiwans' abzielen, entschlossen bekämpfen und sich äußerer Einmischung widersetzen", sagte Ministerpräsident Li Qiang. Seine Äußerungen ähnelten damit weitgehend denen des Vorjahres. Man werde "die friedliche Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße fördern und die nationale Wiedervereinigung voranbringen", fügte er hinzu. Die Regierung in Taipeh äußerte sich zunächst nicht zu Lis Äußerungen.

(Bericht von Greg Torode und Ben Blanchard, geschrieben von Rene Wagner Redigiert von Hans Busemann Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.