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14.06.2024 /11:07:12
Finanzminister warnt wegen politischer Lage vor Finanzkrise in Frankreich

Paris, 14. Jun (Reuters) - Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire warnt davor, dass das Land im Zuge der von Präsident Emmanuel Macron ausgerufenen Neuwahlen in eine Finanzkrise schlittern könnte. Auf die Frage, ob die gegenwärtige politische Lage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu einer Finanzkrise führen könnte, antwortet Le Maire am Freitag im französischen Hörfunk mit "Ja". Er verwies darauf, dass Frankreich schon jetzt mehr als Portugal zur Bedienung seiner Schulden zahlen müsse. Der Risikoaufschlag, den Anleger für französische Staatsanleihen verlangen, kletterte am Freitag auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren.

An den Finanzmärkten wird zum Teil mit Sorge auf die Wahlprogramme der Parteien geschaut. Der euroskeptische und rechtspopulistische Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen, der derzeit in den Meinungsumfragen führt, fordert etwa eine Herabsetzung des Renteneintrittsalters und eine protektionistische Wirtschaftspolitik nach dem Motto "Frankreich zuerst". Für die Kreditwürdigkeit des Landes könnte die von der Partei befürwortete Politik nach Einschätzung der Ratingagentur S&P Global Implikationen haben, weshalb sie Frankreich kürzlich herabstufte. Auch ein neu gegründetes Bündnis der französischen Linken erklärte am Freitag, ebenfalls das Renteneintrittsalter senken zu wollen. Zudem plant es eine neue Vermögenssteuer für Reiche.

Nach Umfragen wird der RN die Wahlen am 30. Juni und 7. Juli gewinnen. Allerdings wird demnach die Partei die absolute Mehrheit verfehlen. Macron hatte nach der Europa-Wahl kurzfristig eine vorgezogene Neuwahl des Parlaments angeordnet, nachdem sein Bündnis vom RN klar geschlagen wurde. Macron selbst lehnt einen Rücktritt vom Präsidentenamt ab.

Die Furcht vor einem RN-Sieg bei den Neuwahlen verschreckt die Aktienanleger in Paris. Der französische Leitindex CAC 40 <.FCHI> verlor am Freitagvormittag bis zu 1,5 Prozent - unter Druck stehen vor allem die Kurse von französischen Großbanken wie Societe Generale <SOGN.PA>, BNP Paribas <BNPP.PA> und Credit Agricole <CAGR.PA>, die zwischen 3,6 und drei Prozent schwächer notierten. Der europäische Branchenindex <.SX7P> verliert 1,3 Prozent. Anleger sind laut Börsianern in Sorge, dass es bei einer Regierungsübernahme des RN zu einer Staatsschuldenkrise kommen könnte.

(Bericht von Tassilo Hummel und Dhara Ranasinghe, geschrieben von Christian Rüttger, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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