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24.10.2024 /11:55:37
FOKUS 1-Triebwerksbauer MTU kommt mit Rückrufaktion voran

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Durchlaufzeiten für GTF-Triebwerke werden geringer

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Finanzchef: "Wir sind noch nicht über den Berg"

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Rückruf wird Cashflow noch zwei Jahre belasten
 
(neu: Telefonkonferenz)
München, 24. Okt (Reuters) - Der Münchner
Flugzeug-Zulieferer MTU Aero Engines <MTXGn.DE> kommt nach
eigenen Angaben mit dem Rückruf von bis zu 3000
Getriebefan-Triebwerken voran. "Den akuten Krisenmodus haben wir
hinter uns gelassen", sagte MTU-Vorstandschef Lars Wagner am
Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Die Triebwerke müssen in
den nächsten Jahren - teils vorzeitig - in die Werkstatt, weil
in ihnen eine womöglich defekte Turbinenscheibe des Partners
Pratt & Whitney (RTX <RTX.N>) verbaut ist. Die Inspektion dauere
inzwischen im Schnitt nur noch 100 Tage, anfangs waren es 150,
sagte Wagner.
Das reduziert die Ausfallzeiten der Fluggesellschaften,
die Pratt & Whitney und MTU entschädigen müssen, und blockiert
weniger Kapazitäten in den Werkstätten. Im Schnitt blieben 450
Flugzeuge außerplanmäßig am Boden, weil keine Ersatztriebwerke
verfügbar sind. MTU hatte im vergangenen Jahr 900 Millionen Euro
für die Rückrufaktion zurückgestellt. Um die Rückstellungen zum
Teil aufzulösen, sei es aber zu früh, sagte Finanzvorstand Peter
Kameritsch. "Wir sind noch am Anfang, nicht über den Berg."
 
Wagner sagte, der Rückruf werde den operativen
Mittelzufluss (Free Cashflow) noch zwei Jahre lang belasten. In
den ersten neun Monaten 2024 schlagen sich die Extrakosten dort
ebenso nieder wie die Engpässe in den Lieferketten: Per Ende
September lag der Free Cashflow mit 213 (2023: 257) Millionen
Euro unter Vorjahr. Zum Jahresende soll er einen niedrigen
dreistelligen Millionenbetrag erreichen. "Diesen
Herausforderungen begegnen wir mit einem stringenten
Cash-Management und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung", sagte
Kameritsch. Bilanziell hat MTU das Thema bereits verdaut: Der
bereinigte Nettogewinn lag in den ersten neun Monaten mit 541
Millionen Euro um 23 Prozent über dem Vorjahreswert.

Der Boeing <BA.N>- und Airbus <AIRG.DE>-Zulieferer hatte seine operativen Gewinnerwartungen für 2024 schon vor gut einer Woche auf ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als einer Milliarde Euro nach oben geschraubt - diesen Wert hatte sich Vorstandschef Wagner eigentlich erst für 2025 vorgenommen. "Dieses positive Momentum nutzen wir, um die Zukunftsfähigkeit der MTU noch weiter auszubauen", sagte er. "Wir bauen unsere Kapazitäten aus und setzen auf Digitalisierung und Automatisierung."

Die GTF-Triebwerke kommen vor allem bei den A320-Maschinen von Airbus zum Einsatz. Sie stehen für etwa 60 Prozent des MTU-Umsatzes im lukrativen Geschäft mit neuen Flugzeugantrieben - das aber nur ein Drittel des Konzernumsatzes ausmacht. Der große Rest entfällt auf Wartung und Instandhaltung, die aber weniger renditeträchtig ist. In den ersten neun Monaten verdiente MTU in der zivilen Instandhaltung vor Zinsen und Steuern 300 Millionen Euro (Ebit), mit neuen Triebwerken für Passagier- und Militärflugzeuge aber 444 Millionen.

(Bericht von Alexander Hübner. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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