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17.03.2026 /11:43:26
FOKUS 1-Umfrage: Iran-Krieg lässt Hoffnung auf rasche Konjunkturerholung platzen

* Barometer für Konjunkturerwartungen fällt um fast 60
Punkte
 
*Größter Rückgang seit Beginn der Ukraine-Invasion
 
*"Risiko, dass der begonnene Erholungstrend ausgebremst
wird"
 
(neu:Details, Ökonomen)
Berlin, 17. Mrz (Reuters) - Der Iran-Krieg hat den
Konjunkturerwartungen für Deutschland den stärksten Dämpfer seit
Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vor vier Jahren
versetzt. Das Barometer für die Aussichten in den kommenden
sechs Monaten brach im März um 58,8 Punkte auf minus 0,5 Zähler
ein, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen
Umfrage unter 178 Investoren und Analysten mitteilte. Der größte
Rückgang seit Februar 2022 ließ das an den Finanzmärkten stark
beachtete Barometer auf den schlechtesten Wert seit fast einem
Jahr sinken. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte
Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 39,0 Punkte erwartet.

"Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise massiv nach oben und sorgt für steigenden Inflationsdruck", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach die Umfrageergebnisse. "Für die deutsche Wirtschaft wächst damit das Risiko, dass der begonnene Erholungstrend der Konjunktur ausgebremst wird." Wie stark die Effekte ausfallen, hänge von Dauer und Intensität des Konflikts ab.

"VOM HOFFNUNGSFALL ZUM SORGENKIND"

Die Finanzmarktexperten sind allerdings skeptisch, dass es zu einem schnellen Ende des Konflikts kommt. "Es ist die dritte Woche des Kriegs im Nahen Osten und ein Ende ist noch nicht absehbar", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Trotz der starken Bombardements behaupte sich das Regime in Teheran und schaffe es sogar, in der Straße von Hormus eine akute Bedrohungslage zu erzeugen. "Die Schifffahrt ist nahezu zum Erliegen gekommen, und die Sorgen über eine längere Phase hoher Energiepreise nehmen zu", sagte Scheuerle. Deutschland als Nettoenergieimporteur gehe es deutlich mehr an den Kragen, fügte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank hinzu: "Stand jetzt ist die deutsche Wirtschaft vom Hoffnungsfall wieder zum Sorgenkind mutiert."

Die aktuelle Lage schätzten die Börsianer im März etwas besser ein: Dieses Barometer stieg um 3,0 Punkte, verharrte mit minus 62,9 Zählern allerdings tief im negativen Bereich. Ökonomen hatten hier mit minus 67,3 Punkten gerechnet. "Das Rüstungs- und Infrastrukturprogramm wirkt jetzt stabilisierend, zielt es doch auf binnenwirtschaftliche Impulse ab", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Umso wichtiger sei es aber, dass die Mittel aus dem Infrastrukturprogramm zielgerichtet für neue Investitionen eingesetzt werden. "Nur so kann eine Kompensation konjunkturdämpfender Effekte bedingt durch höhere Ölpreise gelingen", betonte Gitzel.

Der Krieg im Nahen Osten bremst auch nach Einschätzung der Bundesregierung die konjunkturelle Erholung in Deutschland. Die damit verbundenen drastischen Preissteigerungen bei Rohöl und Erdgas belasteten die Entwicklung, heißt es aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums. "Der Erholungsprozess bleibt angesichts der externen Risiken fragil." Es bestehe das Risiko für einen Rückschlag bei der erwarteten Konjunkturerholung. Dies sei abhängig von der Dauer des Konflikts beziehungsweise "der faktischen Sperrung der Straße von Hormus sowie möglichen längerfristigen Beeinträchtigungen der dortigen Produktionskapazitäten bei Öl und Gas", erklärte das Ministerium. Die Wirtschaft habe bereits Anfang 2026 an Dynamik verloren, nachdem sie sich Ende 2025 noch belebt hatte.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Klaus Lauer - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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