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17.03.2026 /13:08:27
FOKUS 1-Fraport: Bislang kaum Beeinträchtigung durch Iran-Krieg

* Iran-Krieg verringert Passagieraufkommen um ein Prozent
 
*Fraport hält bislang an Ausblick fest
 
*Frankfurt wohl 2028 bei Passagierzahl auf
Vor-Corona-Niveau
 
(Neu: Details, weitere Zitate, Analystenstimmen, Kursreaktion)
Frankfurt, 17. Mrz (Reuters) - Der Krieg der USA und
Israels gegen den Iran hat bislang nur geringe Auswirkungen auf
den Flughafenbetreiber Fraport <FRAG.DE>. "Wir sehen derzeit
keinen Grund, unseren Ausblick anzupassen", sagte Konzernchef
Stefan Schulte auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag. Der
Rückgang der Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen liege bei
etwa einem Prozent. Reisende, die normalerweise die Drehkreuze
am Golf für den Umstieg auf dem Weg etwa nach Fernost nutzten,
wichen nun auf andere Routen aus.

Knapp fünf Prozent aller Reisenden steuerten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr von Frankfurt aus Ziele im Nahen Osten an. Von den wöchentlich etwa 135 Verbindungen würden aktuell etwa ein Drittel bedient. Seit Kriegsausbruch seien 86.000 Passagiere von Flugausfällen betroffen. Den Effekt des Tarifkonflikts beim wichtigen Kunden Lufthansa <LHAG.DE> auf die Bilanz hält Schulte ebenfalls für gering.

Für 2026 rechnet Schulte in Frankfurt mit einem Anstieg der Passagierzahlen um vier bis fünf Prozent auf 65 bis 66 Millionen. Er erwarte 2027 weiteres Wachstum, sodass das Vor-Coronakrisenniveau von etwa 70 Millionen Passagieren voraussichtlich 2028 erreicht werde. Ob diese Prognose eintreffe, hänge unter anderem von der weiteren Entwicklung in Nahost ab, betonte der Fraport-Chef. Entscheidend sei, wie sich der Konflikt auf die Energie- und Ticketpreise, die Inflation und das Verbraucherverhalten auswirke. "Noch sehen wir keine zu großen Effekte, aber das kann sich ändern."

Einen Bremsklotz für das Wachstum in Frankfurt sieht Schulte in den staatlichen Auflagen. "Wir könnten deutlich besser dastehen, wenn die viel zu hohen regulierten Standortkosten die Passagierentwicklung auf dem deutschen Markt nicht weiter ausbremsen würden."

ERNEUTER REKORDGEWINN - WENIGER SCHULDEN

Im vergangenen Jahr steigerte Fraport den operativen Gewinn um zehn Prozent und verbuchte mit 1,44 Milliarden Euro einen erneuten Rekord. Das Nettoergebnis schrumpfte jedoch wegen Abschreibungen und Zinsbelastungen um 6,7 Prozent auf 468 Millionen Euro. Im laufenden Jahr müsse aus denselben Gründen mit einem weiteren Rückgang auf 300 bis 400 Millionen Euro gerechnet werden, erläuterte Schulte. Der Betriebsgewinn solle aber auf etwa 1,5 Milliarden Euro steigen. Sowohl die Bilanz für 2025 als auch der Ausblick für 2026 überträfen die Markterwartungen, lobte Analyst Graham Hunt von der Investmentbank Jefferies.

Fraport hat in den vergangenen Jahren stark in den Um- und Ausbau seiner Flughäfen investiert. So wurde in Frankfurt das Terminal 3 neu gebaut und an einigen ausländischen Standorten wurden Start- und Landebahnen saniert. Da diese Ausgaben langsam auslaufen, verbuchte der Konzern 2025 erstmals seit 2018 wieder einen Mittelzufluss. Dadurch konnte die Nettoverschuldung auf 8,2 Milliarden Euro gesenkt werden.

Sobald die Verbindlichkeiten weniger als das Fünffache des operativen Gewinns erreichen, können Fraport-Aktionäre auf Dividendensteigerungen hoffen: Dann soll die Ausschüttungsquote auf 60 bis 80 Prozent des Nettogewinns nach Minderheiten angehoben werden. Historisch lag sie bei 40 bis 60 Prozent. Dies spiegele das Vertrauen des Managements in die Geschäftsentwicklung wider, betonte Schulte. Für 2025 will Fraport erstmals seit Ausbruch der Coronavirus-Krise 2020 wieder eine Dividende zahlen. Investoren sollen einen Euro je Aktie erhalten.

Bei Anlegern kamen die Fraport-Zahlen gut an. Sie stiegen um bis zu 5,9 Prozent. Das war der größte Kurssprung seit etwa vier Monaten.

(Bericht von Hakan Ersen und Ilona Wissenbach, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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