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17.03.2026 /14:29:49
FOKUS 1-Commerzbank-Chefin sieht sich von Unicredit im Unklaren gelassen

*Orlopp: Offerte fühlt sich wie "technischer Schachzug
an"
 
*Commerzbank pocht auf Eigenständigkeit
 
*Orlopp hält sich weitere Aktienrückkäufe offen
 
(Neu: Weitere Aussagen Orlopp)
Frankfurt, 17. Mrz (Reuters) -
C ommerzbank <CBKG.DE>-Chefin Bettina Orlopp hat die Ankündigung
eines Übernahmeangebots durch den Großaktionär
Unicredit als "technischen Schachzug" kritisiert und
sich von dem Schritt überrascht gezeigt. Das Vorgehen sei nicht
vorab abgestimmt gewesen, sagte Orlopp am Dienstag bei einer
Bankenkonferenz. Es stelle eine erneute Kehrtwende in der
Kommunikation der Italiener im Vergleich zu deren vergangenen
Aussagen dar. Das Angebot selbst sei angesichts der Kursziele
der Bank sehr niedrig. Zudem passe die Botschaft nicht zusammen,
wonach Unicredit zwar den Anteil von 30 Prozent überschreiten,
aber keine Kontrolle erlangen wolle. "Daher fühlt es sich ein
wenig wie ein technischer Schachzug an", sagte sie. Die
Commerzbank werde sich weiter auf ihre Stärken besinnen und
halte sich auch Aktienrückkäufe offen.

Die Commerzbank sei seit Monaten dazu bereit, einen konkreten Vorschlag zu prüfen und zu diskutieren, sobald dieser vorliege, unterstrich Orlopp. "Dafür bräuchten wir aber etwas in der Hand." Das Geldhaus erwarte von einem Interessenten, der einen solchen Schritt mache, dass er einen detaillierten Plan vorlegen könne. Dieser müsse Angaben zu Synergien, Restrukturierungskosten, dem Zeitplan und dem gebotenen Preis für die Aktionäre enthalten. Zudem müssten Fragen der Unternehmensführung und der künftigen Struktur geklärt werden. Orlopp warnte, Übernahmen seien immer schwierig. In einem feindseligen Umfeld seien sie jedoch "sehr, sehr hart".

Es sei nun entscheidend, ruhig zu bleiben und sich auf die eigene Rolle und die Kunden zu konzentrieren, betonte Orlopp. "Wir werden auch Aktienrückkäufe fortsetzen", fügte sie hinzu. "Diese stellen kein Problem für unseren größten Aktionär da", sagte sie mit Blick auf Unicredit. Es sei nicht möglich, dass ein Anteilseigner damit gegen seinen Willen über die Schwelle von 30 Prozent befördert werde: "Es ist wichtig, dies zu betonen, es gibt immer eine Vorwarnzeit von einigen Monaten". "Selbst wenn es passieren sollte, gibt es eine 'Grace Period' der Regulierer, um die 30 Prozent wieder zu unterschreiten", fügte sie hinzu. Beim Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent wird ein Pflichtangebot ausgelöst. Die Italiener wollen im Ringen um die Commerzbank indes einen anderen Weg gehen.

Die italienische Großbank, die knapp 30 Prozent an der Commerzbank hält, hatte am Montag ein freiwilliges Übernahmeangebot in eigenen Aktien angekündigt. Sie will die Commerzbank damit an den Verhandlungstisch bringen. "Unsere Botschaft an die Commerzbank ist: Es ist an der Zeit zu reden", sagte UniCredit-Chef Andrea Orcel. Das freiwillige Angebot, bei dem die Mailänder Großbank nur eigene Aktien offeriert, bewertet die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro.



(Bericht von Tom Sims und Matthias Inverardi, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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