| * | Regierung in Damaskus zögerlich | |
| * | Bereits Tausende Soldaten an Grenze verlegt | |
| * | Intervention wäre historisch belastet | |
| - von Feras Dalatey und Maya Gebeily und Timour Azhari | ||
| Damaskus, 17. Mrz (Reuters) - Die USA haben Syrien | ||
| Insidern zufolge dazu ermutigt, Truppen in den Osten des | ||
| Libanons zu entsenden, um bei der Entwaffnung der Hisbollah zu | ||
| helfen. Die Regierung in Damaskus zögere jedoch, sich auf eine | ||
| solche Mission einzulassen, sagten fünf mit der Angelegenheit | ||
| vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damaskus | ||
| befürchte, in den seit Ende Februar tobenden Krieg im Nahen | ||
| Osten hineingezogen zu werden und religiöse Spannungen | ||
| anzuheizen. | ||
Der Vorstoß gegenüber der mit den USA verbündeten syrischen Regierung verdeutlicht die zunehmenden Bemühungen, die vom Iran unterstützte radikal-islamische schiitische Hisbollah zu entwaffnen. Die Miliz beschießt Israel seit dem 2. März wieder, um die Regierung in Iran gegen die Angriffe der USA und Israels zu unterstützen. Im Gegenzug hat Israel eine neue Offensive gegen die Hisbollah gestartet.
Erstmals diskutierten US-amerikanische und syrische Vertreter die Idee bereits im vergangenen Jahr, wie zwei syrische Regierungsvertreter und zwei weitere Insider berichteten. Kurz vor oder unmittelbar nach Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran am 28. Februar sei das Thema von US-Seite erneut zur Sprache gebracht worden. Die heute sunnitisch-islamistisch geführte Regierung in Damaskus prüft den Angaben zufolge zwar eine grenzüberschreitende Operation, bleibt aber zurückhaltend. Ein hochrangiger syrischer Beamter erklärte, Damaskus und seine arabischen Verbündeten seien sich einig, dass sich Syrien aus dem Krieg heraushalten und lediglich defensive Maßnahmen ergreifen sollte.
Seit Anfang Februar hat Damaskus Raketeneinheiten und Tausende Soldaten an die libanesische Grenze verlegt, bezeichnet dies jedoch als reine Verteidigungsmaßnahme. Das US-Außenministerium lehnte eine Stellungnahme zu "privaten diplomatischen Gesprächen" ab.
Das libanesische Präsidialamt teilte auf Anfrage mit, es habe keinerlei Hinweise auf derartige Gespräche zwischen Washington und Damaskus erhalten. Präsident Joseph Aoun habe mit dem syrischen Staatschef Ahmed al-Scharaa telefoniert. Dabei habe Scharaa betont, dass Syrien die Souveränität des Libanons respektiere und keine Interventionspläne verfolge. Auch der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Scharaa habe ihm versichert, die Truppenverstärkung diene ausschließlich der Grenzsicherung und dem Erhalt der inneren Sicherheit Syriens.
Den Insidern zufolge hat Washington zwar grundsätzlich grünes Licht für eine Operation gegeben, um die libanesische Armee bei der Entwaffnung der Hisbollah zu unterstützen. Damaskus sehe jedoch die Gefahr iranischer Raketenangriffe und möglicher Unruhen unter der schiitischen Minderheit im eigenen Land. Dies könnte die Stabilisierungsbemühungen nach der sektiererischen Gewalt des vergangenen Jahres gefährden. Ein syrischer Militärvertreter sagte, es gebe noch keine endgültige Entscheidung, die Option eines Eingreifens im Falle einer Eskalation zwischen dem libanesischen Staat und der Hisbollah bleibe jedoch auf dem Tisch.
Eine syrische Intervention im Libanon wäre historisch belastet. Unter der Assad-Dynastie dominierte Syrien den Nachbarstaat jahrzehntelang militärisch und politisch, bis die Truppen 2005 abzogen. Ein erneutes Eingreifen könnte die konfessionellen Spannungen in beiden Ländern verschärfen. Die Nervosität an der Grenze nimmt indes zu: In der vergangenen Woche schlugen nach Angaben der syrischen Armee Artilleriegranaten der Hisbollah in einem Grenzdorf ein. Die Armee prüfe nun "angemessene Optionen", um darauf zu reagieren.
(Mitarbeit Mahmoud Hassano in Damaskus Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Sabine Ehrhardt Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)