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19.03.2026 /00:01:00
Studie: Deutschland und EU in der Zwickmühle des Welthandels

Berlin, 19. Mrz (Reuters) - Die deutsche und europäische Wirtschaft kommen einer Studie zufolge im globalen Handel zunehmend unter Druck. Die EU sei im vergangenen Jahr in eine Zwickmühle geraten zwischen dem US-Protektionismus und einer wachsenden Konkurrenz aus China, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse der Unternehmensberatung McKinsey. Während die USA und China ihre Handelsbeziehungen neu ausrichteten, habe die EU kaum von Verschiebungen profitieren können. Besonders stark betroffen sei die europäische Autoindustrie, die als langjähriger Wachstumsmotor unter sinkenden Exporten in die USA und nach China bei gleichzeitig steigenden Importen chinesischer Elektroautos leide. Die Studie basiert auf Daten, die über 90 Prozent des globalen Warenhandels abdecken.

Der Zollkonflikt zwischen den USA und China führte demnach zu einem Einbruch des direkten Handelsvolumens zwischen den beiden größten Volkswirtschaften um fast ein Drittel. Die EU konnte diese Lücke jedoch nicht füllen. So seien die EU-Exporte in die USA ohne Sondereffekte wie vorgezogene Pharma-Lieferungen angesichts drohender Zölle sogar gesunken. Gleichzeitig habe sich das Handelsdefizit mit China vergrößert. Ein besonders drastisches Beispiel sei Deutschland: Erstmals habe die Bundesrepublik 2025 mehr Autos aus China importiert als dorthin exportiert. Die Einfuhren chinesischer Elektrofahrzeuge in die EU stiegen 2025 um rund 50 Prozent auf über 800.000 Einheiten.

"FABRIK FÜR DIE FABRIKEN" IST CHINA - NICHT MEHR DEUTSCHLAND

Trotz der Handelskonflikte wuchs der weltweite Warenhandel 2025 der Studie zufolge um überraschend starke sechs Prozent. Haupttreiber war jedoch nicht der Austausch von Konsumgütern, sondern der Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI). Der Handel mit Halbleitern und Ausrüstung für Rechenzentren machte demnach allein ein Drittel des globalen Wachstums aus. Davon profitierten vor allem asiatische Standorte wie Taiwan und Südkorea sowie die USA als Hauptabnehmer. Die EU habe bei diesen Investitionen und den damit verbundenen Handelsströmen bislang eine geringere Rolle gespielt als die USA und China.

Die Analyse zeigt zudem eine strategische Neuausrichtung Chinas. Das Land entwickle sich von der "Fabrik der Welt" für Konsumgüter zur "Fabrik für die Fabriken". Diese Rolle hatte Deutschland lange inne. China exportierte 2025 verstärkt industrielle Vorprodukte und Maschinen in andere Schwellenländer und baute so seine Position in den globalen Lieferketten aus. Gleichzeitig sicherten sich chinesische Exporteure von Konsumgütern durch Preissenkungen von durchschnittlich acht Prozent neue Absatzmärkte, was den Wettbewerbsdruck insbesondere auf europäische Hersteller weiter erhöhte.

(Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Reinhard Becker. - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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