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18.03.2026 /08:42:26
Erfolgsserie gerissen: Auftragspolster der deutschen Industrie schrumpft

Berlin, 18. Mrz (Reuters) - Das Auftragspolster der deutschen Industrie ist im Januar nach zuvor fünf Anstiegen in Folge wegen der schwächeren Nachfrage in der Autobranche erstmals wieder geschrumpft. Der Bestand an offenen Bestellungen nahm um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat ab, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Verglichen mit dem Vorjahresmonat sind die Auftragsbücher aber nach wie vor besser gefüllt: Hier gab es einen Zuwachs von 6,6 Prozent.

Die Reichweite des Auftragsbestands stieg im Januar auf den Rekordwert von 8,3 Monaten - das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2015. Dieser Wert gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neugeschäft theoretisch produzieren müssten, um vorhandene Bestellungen abzuarbeiten.

"Durch das Fiskalpaket dürften Auftragsimpulse auch erst einmal anhalten", sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger, angesichts geplanter staatlicher Investitionen in Infrastruktur und Aufrüstung. Derzeit würden aber die Produktionskosten steigen, wodurch Aufträge kaum zügig abgearbeitet werden dürften. "Für eine höhere Kapazitätsauslastung und sichere Arbeitsplätze ist das ungünstig", erklärte Krüger.

Der sinkende Auftragsbestand geht vor allem auf die Entwicklungen in der Automobilindustrie zurück: Hier gab es ein deutliches Minus von 4,5 Prozent zum Dezember. Bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen fiel der Rückgang mit 3,2 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich aus. Abgefedert wurde das durch den Anstieg im Sonstigen Fahrzeugbau - Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge - von 2,7 Prozent.

Das Bundeswirtschaftsministerium befürchtet infolge des Iran-Kriegs weitere Rückschläge. Wegen der auf den Weltmärkten gestiegenen Gas- und Ölpreise sei "das Risiko für einen Rückschlag bei der erwarteten Erholung der Industriekonjunktur deutlich gestiegen". Der Ölpreis ist zeitweise deutlich über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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