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18.03.2026 /08:38:24
Aufwärtstrend hält: Mehr Baugenehmigungen für Wohnungen - Aber Risiko Iran-Krieg

Berlin, 18. Mrz (Reuters) - Der Aufwärtstrend im deutschen Wohnungsbau hat sich zu Jahresbeginn fortgesetzt. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg im Januar um 8,4 Prozent zum Vorjahresmonat auf 19.500 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Der krisengeplagte Wohnungsbau hatte 2025 die Trendwende geschafft: Nach drei Minus-Jahren in Folge stieg die Zahl der Baugenehmigungen erstmals wieder. Höhere Zinsen und Materialkosten hatten in den drei Vorjahren viele Bauherren abgeschreckt.

Experten warnen aber vor neuen Risiken durch den anhaltenden Iran-Krieg. "Die gestiegenen Kraftstoffpreise und damit die steigende Inflation dämpfen die Bauaktivität über zwei Kanäle", sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. So könnte die Europäische Zentralbank zu Zinserhöhungen gezwungen sein. "Dies führt zu höheren Bauzinsen, was Wohnungsbau weniger bezahlbar macht", warnte Dullien. Zum anderen drohe ein Kaufkraftentzug durch höhere Energiepreise, der weniger Spielraum zum Bau eines Eigenheims bedeute.

Im Januar wuchs die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 12,6 Prozent auf 3800. Bei den Zweifamilienhäusern fiel das Plus mit 26,1 Prozent auf 1200 noch stärker aus. Bei Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 10.500 Neubauwohnungen. Das war ein Anstieg um 7,1 Prozent.

Die Stimmung im deutschen Wohnungsbau hat sich im Februar erneut aufgehellt. Das Barometer für das Geschäftsklima stieg um 3,2 Punkte auf minus 17,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut per Umfrage ermittelte. "Die Stimmung verbesserte sich zwar, aber die Branche ist noch nicht über den Berg", ordnete der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, die Entwicklung ein. "In den Auftragsbüchern zeigt sich die Belebung bislang kaum."

Der Anteil der Unternehmen im Wohnungsbau, die über zu wenig Aufträge klagen, sank im Februar zwar etwas ? aber nur von 49,8 auf 48,0 Prozent. Fast jedes zweite Unternehmen leidet demnach unter mangelnder Nachfrage. Gleichzeitig stieg der Anteil der Firmen, die von abgesagten Bauprojekten berichten, von 11,1 auf 11,3 Prozent. "Die Auftragslage ist noch bei vielen Unternehmen unbefriedigend, auch wenn sich erste kleine Verbesserungen zeigen", sagte Ifo-Forscher Wohlrabe.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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