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18.03.2026 /09:26:25
TOP-THEMA-Iran gibt sich nach Tötung von Sicherheitschef kämpferisch

(Weitgehend neu)
 
*Außenminister: Teherans System ist robust
 
*Gegenseitiger Beschuss hält an
 
*Trump kritisiert europäische Partner
 
- von Parisa Hafezi und Alexander Cornwell und Enas Alashray
Dubai/Tel Aviv, 18. Mrz (Reuters) - Der Iran hat sich
nach der gezielten Tötung seines Sicherheitschefs Ali
Laridschani durch Israel demonstrativ unbeeindruckt gezeigt und
eine Fortsetzung seiner Gegenangriffe angekündigt. Die
Islamische Republik sei ein robustes politisches System, das
nicht von einzelnen Personen abhänge, sagte Außenminister Abbas
Araghtschi in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview des
arabischen Senders Al-Dschasira. Der Tod hochrangiger
Funktionäre werde die Regierungsgeschäfte nicht stören, Lücken
würden rasch geschlossen.

Parallel zu den verbalen Drohungen weiteten sich die Kämpfe im Nahen Osten aus: Während Israel erneut Ziele der Hisbollah im Libanon und der Revolutionsgarden im Iran angriff, feuerten iranische Streitkräfte Raketen auf Tel Aviv ab. Eine diplomatische Lösung des seit Ende Februar tobenden Krieges scheint in weiter Ferne. Der neue Oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, lehnte Vorschläge zur Deeskalation einem Insider zufolge kategorisch ab. Es sei nicht die Zeit für Frieden, bis die USA und Israel "in die Knie gezwungen" seien, ihre Niederlage akzeptierten und Entschädigung zahlten, soll Chamenei bei seinem ersten außenpolitischen Treffen gesagt haben. Sein Vorgänger und Vater Ali Chamenei war bei den US-israelischen Angriffen zu Beginn des Krieges getötet worden.

"SEHR TÖRICHTER FEHLER"

Die militärische Auseinandersetzung nimmt unterdessen an Härte zu. Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) kamen bei dem Angriff auf Tel Aviv Raketen der Typen Chorramschahr 4 und Ghadr mit Streumunition zum Einsatz. Israelischen Angaben zufolge wurden dabei zwei Menschen getötet. Die israelische Armee bombardierte ihrerseits Ziele in Beirut und Teheran, darunter das Hauptquartier einer Sicherheitseinheit der Revolutionsgarden. Auch in der Nähe des Atomkraftwerks Buschehr schlug ein Geschoss ein, ohne jedoch Schäden zu verursachen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mahnte zur äußersten Zurückhaltung.

Auch die USA weiteten ihre Angriffe aus und setzten "Bunkerbrecher"-Bomben gegen Ziele an der iranischen Küste nahe der Straße von Hormus ein. Die Meerenge, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt, ist faktisch durch den Iran blockiert. US-Präsident Donald Trump kritisierte die Nato-Verbündeten scharf für ihre Weigerung, sich militärisch an der Sicherung der Seewege zu beteiligen. Dies sei ein "sehr törichter Fehler", sagte Trump. Dabei kritisierte der US-Präsident auch die Bundesregierung. In Washington trat derweil der Leiter des Nationalen Antiterrorzentrums, Joseph Kent, aus Protest zurück. In seinem Rücktrittsschreiben an Trump erklärte er, der Iran stelle keine unmittelbare Bedrohung für die USA dar.

Der Konflikt hat massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Ölpreis ist seit Kriegsbeginn um rund 45 Prozent gestiegen, die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von der schwersten Ölkrise seit den 1970er Jahren. Fluggesellschaften warnten vor drastisch steigenden Kosten. Die humanitäre Bilanz ist verheerend: Im Libanon wurden nach offiziellen Angaben mehr als 900 Menschen getötet, im Iran schätzen Menschenrechtler die Zahl der Toten auf über 3000. Das Welternährungsprogramm (WFP) warnte vor akutem Hunger für Millionen Menschen, sollte der Krieg bis Juni andauern.

(Mit weiteren Reuters-Büros Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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