Berlin, 18. Mrz (Reuters) - Paare im Homeoffice bekommen einer Studie zufolge mehr Kinder. In Haushalten mit mindestens einem Tag Arbeit in der Woche von daheim aus liegt die Geburtenrate im Schnitt um 14 Prozent höher als in solchen ohne Homeoffice, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Münchner Ifo-Instituts und der Universität Stanford für 38 Länder hervorgeht. Das würde bedeuten, dass eine von drei Frauen über den Lebensverlauf ein Kind mehr bekommt als Vergleichsgruppen ohne Heimarbeit. "Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, ist der Effekt am größten", sagte Ifo-Forscher Mathias Dolls. "Das umfasst sowohl die Zahl der bereits Geborenen als auch die der geplanten Kinder." Dies könne ein Hinweis für eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Kinderbetreuung und Beruf sein.
Besonders stark ist die Auswirkung demnach in den USA: Wenn beide Partner mindestens einmal die Woche im Homeoffice arbeiten, sind die Geburten pro Frau um 18 Prozent höher. "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein breiterer Zugang zu Homeoffice die Zahl der Kinder erhöht", sagte Dolls. Grund dafür sei vermutlich, dass dadurch der zeitliche und organisatorische Aufwand sinkt, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Mehr Flexibilität durch Homeoffice könne dazu beitragen, dass Paare ihren Kinderwunsch eher verwirklichen können.
"Eine Anhebung der Homeoffice-Quote auf das US-amerikanische Niveau könnte für 13.500 zusätzliche Geburten pro Jahr in Deutschland sorgen", fügte Dolls hinzu. Mehr Homeoffice allein könne das demografische Problem zwar nicht lösen. "Es kann aber ein Baustein sein, um den Trend sinkender Geburtenraten etwas abzumildern."
Homeoffice ist aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken: Im Februar arbeiteten 24,3 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland zumindest teilweise von zu Hause aus, ergab eine Ifo-Umfrage. Im März 2021 wurde der Höchstwert mit 32,3 Prozent erreicht, im August 2024 der niedrigste mit 23,4 Prozent. Während der Corona-Pandemie galt zeitweise eine Homeoffice-Pflicht in Deutschland, mit der die Virus-Ausbreitung eingedämmt werden sollte. Das hat dazu beigetragen, das Arbeiten von zu Hause aus zu verbreiten.
Grundlage der Ergebnisse sind Umfragedaten für 38 Länder aus der internationalen Studienreihe Global Survey of Working Arrangements. Die Analyse konzentriert sich auf Befragte im Alter von 20 bis 45 Jahren. Die Forscher erfassten dabei den Zusammenhang zwischen Homeoffice-Quoten und der tatsächlichen Geburtenziffer zwischen 2023 und 2025, dem Kinderwunsch sowie der Geburtenrate über den gesamten Lebensverlauf.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)