Wien, 18. Mrz (Reuters) - Der Chef des österreichischen Versorgers Verbund, Michael Strugl, hat sich gegen eine übermäßige Abschöpfung der Gewinne durch den Staat ausgesprochen. "Wir leisten Beiträge, aber wir können nicht die Melkkuh für dieses Budget sein", sagte er am Mittwoch auf der Bilanz-Pressekonferenz in Wien. Zwar habe der Finanzminister in einem Gespräch den Beitrag des mehrheitlich staatlichen Konzerns gewürdigt, zugleich aber auf die Notwendigkeit der Budgetsanierung verwiesen.
Im abgelaufenen Jahr belastete der sogenannte staatliche Energiekrisenbeitrag das Ergebnis mit rund 136 Millionen Euro. Damit schöpft der Staat Gewinne von Stromerzeugern ab, um damit Entlastungsmaßnahmen zu finanzieren. Finanzvorstand Peter Kollmann rechnet für das laufende Jahr mit einer noch höheren Summe. Trotz der Abgaben sollen die Aktionäre für 2025 eine Dividende von 3,15 (Vorjahr: 2,80) Euro je Aktie erhalten, worin eine Sonderausschüttung von 1,15 Euro enthalten ist. Davon profitiert ebenfalls der Staat, der 51 Prozent an dem Versorger hält.
Strugl mahnte, die Mittel würden dringend für Investitionen benötigt. In den kommenden drei Jahren wolle der Konzern insgesamt 6,8 Milliarden Euro in Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Netze stecken. Allein 2025 sei rund eine Milliarde Euro in Österreich investiert worden. Dies sichere Arbeitsplätze "in einer Zeit, wo die Konjunktur schwächelt und wo wir jeden Prozentpunkt Wachstum dringend brauchen".
Der Manager kritisierte zudem, dass es wenig sinnvoll sei, Energie in Zeiten hoher Preise auch noch hoch zu besteuern. Er verwies auf einen Brief von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an die Staatschefs, in dem sie angeregt habe, die Steuern auf Elektrizität zu senken. "Ich glaube, das ist ein vernünftiger Vorschlag in dieser Zeit", sagte Strugl.
Sorgen bereiteten dem Manager zudem die schwierigen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren in der Heimat. So habe der Konzern erst kürzlich ein Windkraftprojekt wegen einer knappen Niederlage bei einer Bürgerabstimmung verloren.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)