Berlin, 18. Mrz (Reuters) - Kindergeld soll nach der Geburt eines Kindes künftig automatisch ohne Antrag ausgezahlt werden, um Familien von Bürokratie zu entlasten. Einen entsprechenden Gesetzentwurf des Finanzministeriums brachte das Kabinett am Mittwoch auf den Weg. "Wir wollen einen modernen Staat, der für die Menschen da ist", sagte Finanzminister und SPD-Co-Chef Lars Klingbeil. Eltern sollten "ganz für ihr Baby da sein, statt sich mit unnötigem Papierkram herumzuschlagen". Das Ministerium rechnet damit, dass dadurch jährlich rund 300.000 Erstanträge wegfallen.
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erklärte, die Regierung setze mit dem Vorhaben eine Empfehlung der Sozialstaatskommission um. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die Umstellung ist in zwei Stufen geplant: Ab voraussichtlich März 2027 soll die Neuerung zunächst für Neugeborene gelten, deren Familien bereits für ältere Kinder Kindergeld beziehen. Ab November 2027 soll das Kindergeld dann auch für das erste Kind automatisch fließen.
Voraussetzung ist unter anderem, dass das Kind mit mindestens einem Elternteil in Deutschland lebt, eine Bankverbindung bekannt ist und mindestens ein Elternteil im Inland arbeitet. Die Auszahlung soll durch einen Datenaustausch zwischen Standesämtern, dem Bundeszentralamt für Steuern und der Familienkasse angestoßen werden.
Bisher müssen Eltern Kindergeld bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Im vergangenen Jahr wurden für rund 17,6 Millionen Kinder insgesamt 55,32 Milliarden Euro ausgezahlt. Seit Januar 2026 beträgt das Kindergeld monatlich 259 Euro pro Kind.
(Bericht von Holger Hansen, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).
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