Berlin, 18. Mrz (Reuters) - Der Regionalverkehr der Deutschen Bahn hat dem neuen Vorstandschef zufolge seinen operativen Gewinn im vergangenen Jahr deutlich ausgeweitet. Nun gehe es darum, die niedrige Marge jedes Jahr zu steigern, sagte Harmen van Zijderveld am Mittwoch in Berlin zu Journalisten. Ziel sei es, eine Marge von mindestens drei Prozent zu erreichen. 2024 war es nur ein Prozent. Damit hat die DB Regio wenig Puffer, wenn Sondereffekte das Geschäft belasten.
Der Staatskonzern will seine Geschäftszahlen für 2025 Ende März veröffentlichen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuletzt aber bereits berichtet, dass Abschreibungen beim chronisch unpünktlichen Fernverkehr den Konzern tief in die Verlustzone gedrückt haben. Unter dem Strich liegt das Minus der Bahn bei insgesamt 2,3 Milliarden Euro und damit noch höher als 2024, als es minus 1,8 Milliarden Euro waren. Dabei konnte der hoch verschuldete Konzern im operativen Geschäft - dem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) - mit einem Plus von 300 Millionen Euro sogar besser abschneiden als zuletzt erwartet. 2024 hatte es hier noch einen Betriebsverlust von über 300 Millionen Euro gegeben.
Der gebürtige Niederländer van Zijderveld sagte, DB Regio sei ein Stabilitätsanker im Konzern. Beim Ebit liege man deutlich über den 108 Millionen Euro von 2024. Die vielen Baustellen, um das marode Schienennetz zu sanieren, seien aber eine Herausforderung. So sei die Pünktlichkeitsquote 2025 unter die Marke von 90 Prozent gerutscht und auch 2026 laufe bisher winterbedingt nicht optimal. Damit ist der Regionalverkehr aber weiterhin deutlich besser als der Fernverkehr. Das Wachstum von DB Regio überfordere die vorhandene Infrastruktur und verstopfe die großen Verkehrsknoten in den Großstädten.
Van Zijderveld sagte auch, er wolle die Arbeit von Evelyn Palla fortsetzen, die zuvor Regio-Chefin war und mittlerweile den Gesamtkonzern leitet. Im Regionalverkehr seien die Verwaltungskosten bereits massiv gesenkt worden und dies relativ geräuschlos. "Im Konzern fangen wir damit gerade erst an." Dort gebe es entsprechend einen größeren Druck. Außerdem fallen mittlerweile weniger als ein Prozent der Verbindungen bei DB Regio aus, weil die Züge nicht verfügbar sind oder Lokführer fehlen. Vor einigen Jahren waren es noch drei Prozent.
Im Regionalverkehr gab es 2025 rund 1500 körperliche Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter. Damit sei die Zahl zumindest um sieben Prozent niedriger als 2024, so der Regio-Chef. Nach einem Sicherheitsgipfel hatten Bund, Länder und Bahn Mitte Februar mitgeteilt, alle Beschäftigten im Kundenkontakt sollten auf freiwilliger Basis noch in diesem Jahr mit Kameras - sogenannten Bodycams - versorgt werden. Zudem will die Bahn 200 zusätzliche Beschäftigte einstellen, die in Bahnhöfen und Zügen für mehr Sicherheit sorgen sollen. Ferner wird die verpflichtende Ausweiskontrolle in Regionalzügen ausgesetzt, da dies immer wieder zu Konflikten geführt hat. Eine vor allem von der Eisenbahngewerkschaft EVG geforderte Doppelbesetzung beim Personal in allen Nah- und Regionalverkehrszügen ist jedoch nicht geplant.
(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)