| * Mehr Betriebsgewinn dank Kostensenkungen | |
| * | 655 Millionen Euro Nettoverlust, keine Dividende |
| * | Profitabilität soll sich 2026 verbessern |
| (Neu: Standortschließungen, Ausblick, Aktie) | |
| Frankfurt, 18. Mrz (Reuters) - Der Autozulieferer | |
| Aumovio <AMV0n.DE> will nach dem Erreichen des ersten | |
| Etappenziels im vergangenen Jahr seine Sanierung weiter | |
| vorantreiben. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg 2025 | |
| sprunghaft um 45,5 Prozent auf 717 Millionen Euro, sodass sich | |
| die Marge um fast anderthalb Prozentpunkte auf 3,9 Prozent | |
| verbesserte. Langfristiges Ziel sind sechs bis acht Prozent. Das | |
| starke Ergebnisplus sei mit mehr Effizienz, verbesserter | |
| Projektabwicklung und einem Fokus auf profitablere Aufträge | |
| gelungen, erklärte Vorstandschef Philipp von Hirschheydt am | |
| Mittwoch. Verbunden damit ist ein Abbau Tausender Arbeitsplätze | |
| weltweit, der weitergeht. "Wir sind noch nicht am Ziel - wir | |
| werden laufende Maßnahmen weiterführen und zusätzliche | |
| Initiativen ergreifen müssen", ergänzte der Aumovio-Chef. | |
Die Zahl der Beschäftigten sank 2025 um 11.000 auf knapp 82.000. Als Continental Automotive zählte der Zulieferer 2023 noch 103.000 Mitarbeitende. Für dieses Jahr steht die Schließung von vier Standorten schon fest, weitere könnten folgen. Neben den deutschen Werken in Karben und Babenhausen in Hessen, deren Aus schon früher besiegelt wurde, sollen zwei Produktionsstandorte in China und in Litauen aufgegeben werden. Dabei handelt es sich um eine Sensoren-Fertigung in China und Elektronikprodukte in Kaunas. Betroffen sind 1500 Mitarbeitende, davon rund 700 in Litauen.
Sie kommen zu den weltweit 4000 von insgesamt 29.000 Jobs in Forschung und Entwicklung hinzu, die in diesem Jahr wegfallen sollen. Aumovio wolle in der Lage sein, "Innovation deutlich effizienter abzufahren", sagte der Vorstandschef. Die Ausgaben dafür sollen von zuletzt elf Prozent des Umsatzes auf weniger als zehn Prozent sinken. Aumovio gibt damit bisher relativ mehr aus als die deutschen Konkurrenten Bosch und ZF Friedrichshafen mit Quoten von achteinhalb Prozent.
Die erste Bilanz des von Continental <CONG.DE> 2025 abgespaltenen und an die Börse gebrachten Unternehmens wies einen Nettoverlust von 655 Millionen Euro aus nach einem Minus von 289 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Von Hirschheydt begründete dies mit hohen Steuern, Einmalbelastungen für die Abspaltung von Continental und mit Transformationskosten. Der Verlust je Aktie war mit 6,54 Euro etwa zehnmal so hoch wie von Analysten nach Daten von Visible Alpha und LSEG geschätzt.
An der Börse legte die Aumovio-Aktie dennoch um mehr als drei Prozent zu. Eine Dividende wurde ohnehin nicht erwartet. Finanzchefin Jutta Dönges erklärte, für 2026 werde ein Jahresüberschuss anvisiert - davon abhängig entscheide sich, ob im kommenden Jahr eine Dividende fließt.
Die einstige Kernsparte von Continental kämpft seit Jahren mit einer schwachen Ertragslage und ist deshalb schon länger auf Schrumpfkurs. Wie die gesamte Autoindustrie leidet der Zulieferer unter schwacher Nachfrage, auch infolge der massiven US-Importzölle, und viel Gegenwind durch steigende Rohstoffkosten, ungünstige Wechselkurse oder Probleme in den Lieferketten. So sorgte die Krise beim niederländisch-chinesischen Chiphersteller Nexperia für Produktionsstopps. Mittlerweile habe Aumovio die Lage im Griff und werde von Nexperia beliefert, wolle sich aber nach alternativen Lieferanten umschauen, sagte von Hirschheydt. Ein Lichtblick war das kräftige Gewinnplus im Geschäft mit Bremsen und Sicherheitssystemen.
"Für 2026 gehen wir weiterhin von einem herausfordernden Marktumfeld aus", erklärte von Hirschheydt. Aumovio sei pessimistischer als die Ratingagentur Standard & Poors, die weltweit einen Rückgang der Fahrzeugproduktion um etwa ein halbes Prozent erwartet. Die mit dem Iran-Krieg verbundenen Risiken höherer Kosten durch Lieferprobleme hält von Hirschheydt für begrenzt. Der bereinigte Konzernumsatz soll mit der Spanne von 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro in diesem Jahr maximal auf dem Vorjahresniveau liegen, die Marge auf bis zu fünf Prozent klettern. "Insgesamt wird 2026 ein Jahr des Übergangs und ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu unseren Zielen sein", sagte Dönges.
(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)