| (Weitgehend | neu) |
| * | Minister: Jeder hochrangige Regime-Vertreter ist Ziel |
| * | Teheran gibt sich kämpferisch |
| * | Merz schließt Kriegsbeteiligung aus und kritisiert USA |
| * | Kanzler: Hätten von diesem Weg abgeraten |
| - von Parisa Hafezi und Alexander Cornwell und Enas Alashray | |
| Dubai/Tel Aviv, 18. Mrz (Reuters) - Israel hat nach | |
| eigenen Angaben den iranischen Geheimdienstminister Esmail | |
| Chatib getötet und seinem Militär weitreichende Befugnisse für | |
| die Eliminierung der iranischen Führungsriege erteilt. | |
| Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Mittwoch, niemand | |
| im Iran genieße Immunität. Die iranische Führung zeigte sich | |
| indes kampfbereit. Die Islamische Republik sei ein robustes | |
| politisches System, das nicht von einzelnen Personen abhänge, | |
| sagte Außenminister Abbas Araghtschi. Bundeskanzler Friedrich | |
| Merz schloss unterdessen ungeachtet der scharfen Kritik von | |
| US-Präsident Donald Trump eine Kriegsbeteiligung Deutschlands | |
| erneut aus. | |
Katz sagte: "Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und ich haben die israelischen Streitkräfte ermächtigt, jeden hochrangigen iranischen Beamten ins Visier zu nehmen, für den sich eine nachrichtendienstliche und operative Gelegenheit bietet." Eine zusätzliche Genehmigung sei dafür nicht mehr nötig. Dies ist das erste Mal, dass Israel öffentlich bestätigt, dem Militär freie Hand bei der Tötung feindlicher Funktionäre zu lassen, ohne dass für jeden Einsatz grünes Licht der politischen Führung eingeholt werden muss.
Der Schlag gegen Chatib erfolgte nur einen Tag nach der gezielten Tötung des einflussreichen iranischen Sicherheitschefs Ali Laridschani. In Teheran versammelten sich Tausende zur Beisetzung Laridschanis und skandierten Parolen gegen die Angreifer. Außenminister Araghtschi betonte in einem Interview des arabischen Senders Al-Dschasira, die USA und Israel verstünden nicht, dass das politische System der Islamischen Republik robust sei und nicht von einzelnen Personen abhänge.
Der Iran reagierte auf die Tötungen mit massiven Raketenangriffen. Teheran feuerte nach eigenen Angaben in der Nacht auf Tel Aviv, Haifa und Beerscheba sowie auf US-Stützpunkte in Bahrain, dem Irak, Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In der israelischen Stadt Holon südlich von Tel Aviv riss eine Rakete einen Krater in die Straße und setzte Autos in Brand. Zwei Menschen kamen israelischen Angaben zufolge ums Leben. "Es gab Alarm, wir gingen in den Schutzraum, wir hörten einen wahnsinnigen Knall", sagte die Anwohnerin Leah Palteal.
Merz kritisierte das Vorgehen der USA. Es fehle bislang ein überzeugendes Konzept für den Einsatz, sagte der Kanzler. Die US-Regierung habe Deutschland vorab nicht konsultiert. "Wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen, wie er gegenwärtig gegangen ist." Daher werde sich die Bundesrepublik nicht daran beteiligen, etwa mit militärischen Mitteln die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Hierfür fehle zudem ein Mandat der Vereinten Nationen, der EU oder der Nato. Zugleich stellte Merz jedoch eine Unterstützung für die Zeit nach dem Krieg in Aussicht.
Der Kanzler betonte, dass der Iran die Verantwortung für die Eskalation trage. Ziel sei es, dass der Iran künftig keine Bedrohung mehr für Israel und die Nachbarstaaten darstelle. Merz warnte jedoch vor einer "Desintegration der Staatlichkeit" des Iran nach dem Vorbild Libyens oder des Irak. Dies würde die Sicherheit massiv beeinträchtigen und könnte neue Migrationsbewegungen auslösen. Bundesaußenminister Johann Wadephul glaubt nicht an eine friedliche Übergabe der Macht im Iran. "Natürlich kann es zu einem Regimewechsel kommen. Und angesichts der Brutalität (...) dieses Regimes ist es auch wünschenswert, dass es zu einem Regimewechsel kommt", sagte Wadephul in Berlin. Aber auch er verwies auf die Erfahrungen im Irak und in Libyen.
Auch an der zweiten Front im Libanon eskalierte die Lage weiter. Israel führte die schwersten Luftangriffe auf das Zentrum von Beirut seit Jahrzehnten aus. Während die Armee für einen Schlag im Bezirk Bachoura eine Warnung aussprach und ein angeblich von der Hisbollah genutztes Gebäude dem Erdboden gleichmachte, gab es für Angriffe auf Wohngebäude in zwei weiteren zentralen Vierteln keine Vorwarnung. Libanesischen Angaben zufolge wurden dabei mindestens zehn Menschen getötet. Ein Anwohner, Abu Khalil, warf Israel vor, lediglich Zivilisten terrorisieren zu wollen. Zudem räumte Israel am Mittwoch ein, dass seine Truppen im Südlibanon am 6. März versehentlich auf einen UN-Stützpunkt gefeuert und drei ghanaische Blauhelmsoldaten verletzt hätten.
Die USA und Israel haben erklärt, ihr Kriegsziel sei die Zerstörung des iranischen Atom- und Raketenprogramms sowie die Unterbindung iranischen Terrors im Ausland. Die US-Armee setzte zuletzt "Bunkerbrecher"-Bomben gegen Ziele an der iranischen Küste nahe der Straße von Hormus ein. Der Iran meldete zudem den Einschlag eines Geschosses in der Nähe des Atomkraftwerks Buschehr, das jedoch keine Schäden verursacht habe. Seit Beginn der US-israelischen Angriffe Ende Februar sind nach Schätzungen der Menschenrechtsgruppe HRANA im Iran mehr als 3000 Menschen getötet worden. Im Libanon starben den Behörden zufolge 900 Menschen, in Israel kamen 14 Menschen ums Leben.
(Mit weiteren Reuters-Büros Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)