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19.03.2026 /14:41:59
FOKUS 1-EZB hält Leitzins trotz Ölpreisanstieg stabil: Kommt bald Zinswende?

(neu: Details, Experte, Hintergrund)
 
*Leitzins bleibt bei 2,0 Prozent
 
*Mit Ölpreisanstieg mehr Druck in Inflationspipeline
 
*Experte: Irankrieg könnte breiteren Inflationsschub
auslösen
 
*Spekulationen auf baldige Zinswende
 
Frankfurt/Berlin, 19. Mrz (Reuters) - Die EZB hält nach
dem Ölpreisschock in Zeiten des Irankriegs still und
signalisiert Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation. Der
EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Einlagensatz
am Donnerstag bei 2,0 Prozent. Über diesen Leitzins steuert die
EZB maßgeblich ihre Geldpolitik. Obwohl die Teuerungsrate
zuletzt noch knapp unter dem Zielwert der EZB von zwei Prozent
lag, sind die Notenbanker alarmiert: Durch höhere Energiepreise
werde sich der Nahostkrieg auf kurze Frist "erheblich" auf die
Inflation auswirken, warnte die EZB. Die mittelfristigen
Auswirkungen werden demnach sowohl von der Intensität und der
Dauer des Konflikts als auch davon abhängen, wie die
Energiepreise auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die
Wirtschaft beeinträchtigen.

"Der EZB-Rat ist gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen", hieß es weiter. An den Finanzmärkten wird auf eine nahende Zinserhöhung spekuliert - womöglich bereits im Sommer. Infolge des Irankrieges gerät zunehmend auch die Energieinfrastruktur am Golf in die Schusslinie, was die Preise für Öl und Gas nach oben treibt. Die europäischen Gaspreise sind seit Beginn des Krieges am 28. Februar um mehr als 60 Prozent gestiegen. Die Angst vor langfristigen Versorgungsengpässen sorgt zudem für einen anhaltenden Ölpreishöhenflug. Damit entsteht absehbar mehr Druck in der Inflationspipeline.

Die EZB-Fachleute veranschlagen in ihrer aktualisierten Projektion in einem Basisszenario eine Gesamtinflation von durchschnittlich 2,6 Prozent für 2026, 2,0 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028. Die Inflation wurde gegenüber den Projektionen vom Dezember, insbesondere für 2026, nach oben revidiert. "Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden", erklärte die EZB.

Laut dem Ökonomen Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW könnte der Irankrieg einen breiteren Inflationsschub auslösen. Die EZB habe beim letzten vergleichbaren Angebotsschock 2021/2022 zu lange abgewartet und dafür viel Kritik einstecken müssen: "Der EZB-Rat wird diesen Fehler kein zweites Mal begehen wollen." Auch wenn noch kein Zinsschritt erfolgt sei, werde das Trauma von 2022 nachwirken und ein frühes Einschreiten gegen den Inflationsanstieg begünstigen: "Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch."

EZB-Chefin Lagarde machte bereits klar, dass man alles Nötige tun werde, um die Teuerung im Zaum zu halten. Und auch Bundesbankchef Joachim Nagel betonte unlängst, dass die EZB keine neue Inflationswelle zulassen werde. Angesichts gesunkener Inflationsgefahr hatte die Zentralbank den Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 von vier auf zwei Prozent halbiert und seither pausiert.

(Bericht von Reinhard Becker, - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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