| * | BoE hält Leitzins bei 3,75 Prozent | |
| * | Kein Währungshüter stimmt für Senkung | |
| * | Langer Nahostkonflikt könnte Inflation anheizen | |
| * | Notenbankchef: Müssen Inflationsziel von 2 Prozent | |
| erreichen | ||
| * | Spekulationen auf Zinswende nehmen zu | |
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| London, 19. Mrz (Reuters) - Angesichts der mit dem |
| Ölpreisschock drohenden Inflationsgefahr hält die britische |
| Notenbank den Leitzins stabil. Die Währungshüter in London |
| entschieden am Donnerstag, den geldpolitischen Schlüsselsatz bei |
| 3,75 Prozent zu belassen. Anders als bei früheren Sitzungen, |
| stimmte keines der Mitglieder des neunköpfigen geldpolitischen |
| Ausschusses mehr für eine Senkung. Experten hatten mit zwei |
| Abweichlern gerechnet. Die Bank of England (BoE) sieht sich mit |
| einer im Zuge des Irankrieges heraufziehenden Inflationsgefahr |
| konfrontiert, die von stark gestiegenen Energiekosten ausgeht |
| und sich bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen dürfte. |
| Viele Experten stellen sich darauf ein, dass die BoE eine |
| Zinswende einleitet und wegen der Inflationsgefahr die Zügel |
| wieder anziehen wird - womöglich bereits auf einer der nächsten |
| Sitzungen. |
Notenbank-Chef Andrew Bailey verwies auf die gestiegenen Benzinpreise. Die Energiekosten der Haushalte würden im Laufe des Jahres weiter anziehen, sollte der Nahostkonflikt andauern. Man werde die weitere Entwicklung beobachten: "Unsere Aufgabe ist es, die Inflation wieder auf das Ziel von zwei Prozent zu senken", erklärte Bailey. Die Notenbanker betonten zugleich ihre Handlungsbereitschaft, dieses Ziel zu sichern. Sie wiesen auch auf die Risiken einer Konjunkturabkühlung hin, die den Inflationsdruck zwar dämpfen könnte. Zugleich betonten die Währungshüter aber, das größere Risiko bestehe in steigenden Preisen.
Großbritannien hat das höchste Leitzinsniveau in der Gruppe der sieben größten westlichen Industrieländer (G7). Dabei hat die Notenbank die Zinsen seit Mitte 2024 bereits sechsmal gelockert - zuletzt im Dezember. Sie sieht sich weiter mit einer hohen Inflation konfrontiert. Die Teuerungsrate fiel zu Jahresbeginn zwar auf 3,0 Prozent, liegt damit aber noch deutlich über der von der BoE angepeilten Zielmarke.
Die Notenbanker erklärten, die Inflation könne laut interner Prognosen in den nächsten beiden Quartalen auf bis zu 3,5 Prozent steigen. Sie warnten vor dem Risiko, dass sich höhere Inflationserwartungen in der Wirtschaft verfestigen könnten.
Für die Währungshüter gilt es auf jeden Fall, eine Inflationswelle zu vermeiden, wie sie sich in der Zeit nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine von 2022 und damit einhergehender, steigender Energiepreise aufbaute: Damals stieg die Teuerungsrate in den zweistelligen Prozentbereich. Die Notenbanker in London standen in der Kritik, nicht früh genug reagiert zu haben.
Laut Peder Beck-Friis, Ökonom beim Vermögensverwalter Pimco, unterscheidet sich die jetzige Situation jedoch deutlich von damals, als der Schock auf viele Jahre fiskalischer Lockerung folgte und auf einen angespannten Arbeitsmarkt traf: "Wir erwarten, dass die Bank of England den aktuellen Inflationsschock langfristig nicht als Anlass für eine Änderung ihrer Geldpolitik nimmt und die Zinssenkungen im Zeitverlauf fortsetzt."
(Bericht von William Schomberg, David Milliken, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Ralf Banser Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)