Zürich, 19. Mrz (Reuters) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht von einer weiteren geldpolitischen Lockerung ab und belässt ihren Leitzins bei null Prozent. Von Reuters im Vorfeld der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB befragte Ökonomen hatten fast einhellig prognostiziert, dass die Währungshüter am Nullzins festhalten werden. Volkswirte kommentieren die Entscheidung der SNB am Donnerstag wie folgt:
Wie erwartet hat die SNB die bedingte Inflationsprognose auf kurze Sicht nach oben angepasst, jedoch das Wachstum leicht nach unten korrigiert, da die Konsumenten aufgrund der vor allem von Öl- und Gaspreisen getriebenen Preiserhöhungen am Ende weniger in der Tasche haben werden. Der Schweizer Franken hat seit Jahresanfang handelsgewichtet zwar um etwa zwei Prozent aufgewertet, dies sollte für die SNB unserer Ansicht nach aber noch tolerierbar sein. Wir bleiben der Meinung, dass die SNB weiterhin primär die Volatilität am Devisenmarkt dämpfen wird, statt Zinsveränderungen in Betracht zu ziehen. Sie kann mit der vorherrschenden Unsicherheit argumentieren und somit abwarten.
Eigentlich könnten die eidgenössischen Währungshüter zufrieden sein. Die Inflationsrate hält sich über der Nullmarke und gleichzeitig werden derzeit auch die Franken-Kurse keine akuten Kopfschmerzen bei der SNB verursachen. Doch der Iran-Krieg bringt auch für die Schweizer Wirtschaft und die Geldpolitik so manche Herausforderungen. Ein Anstieg der Inflationsrate von annähernd Null auf etwas höhere Niveaus ist nicht nur verschmerzbar, sondern wäre auch im Sinne der SNB. Eine steigende Teuerungsrate ist also aufgrund des tiefen Ausgangsniveaus wesentlich besser verschmerzbar als etwa in den USA oder auch der Eurozone. Darüber hinaus hätte man in Anbetracht von Nullzinsen auch großen zinspolitischen Spielraum, ohne gleich deutliche konjunkturelle Schäden zu verursachen.
Der SNB-Leitzins bleibt ganz wie erwartet bei Null. Anders als die Fed und die EZB sieht die SNB allerdings erst einmal mittelfristig mehr das Risiko einer etwas geringeren Inflation. Die kurzfristige Inflationsprognose wurde wegen des Energiepreisschubs zwar angehoben. Am Ende des Prognosezeitraums zeigt die Projektion neu aber ein Niveau von 0,7 Prozent gegenüber 0,8 Prozent noch im Dezember. Entsprechend waren höhere Zinsen in der Lagebeurteilung kein Thema. Vielmehr betont die Nationalbank eine erhöhte Bereitschaft, einer raschen und übermäßigen Frankenaufwertung am Devisenmarkt entgegenzutreten, da dies die Preisstabilität gefährden würde, und zwar in Richtung zu niedriger Inflation.
(Bericht von Oliver Hirt, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)