| (Weitgehend neu) | |
| * | US-Präsident warnt Teheran: Werden South Pars sprengen |
| * | Angriffe auf Katar und Saudi-Arabien |
| * | Ölpreise schießen weiter in die Höhe |
| * | EU-Staats- und Regierungschefs beraten in Brüssel |
| - von Andrew Mills und Timour Azhari | |
| Doha/Riad, 19. Mrz (Reuters) - US-Präsident Donald Trump | |
| hat nach einem israelischen Angriff auf das iranische Gasfeld | |
| South Pars mit der vollständigen Zerstörung der Anlage gedroht, | |
| sollte die Führung in Teheran mit weiteren Attacken auf Katar | |
| reagieren. Israel habe "aus Wut" über die Geschehnisse im Nahen | |
| Osten "heftig um sich geschlagen" und das wichtige Gasfeld | |
| angegriffen, schrieb Trump auf der Plattform X. Es werde jedoch | |
| keine weiteren israelischen Angriffe auf das Gasfeld geben, | |
| sofern der Iran nicht weiter das unschuldige Katar attackiere. | |
| In diesem Fall würden die USA ? mit oder ohne israelische Hilfe | |
| ? das gesamte Gasfeld South Pars "mit einer Stärke und Kraft, | |
| die der Iran noch nie gesehen oder erlebt hat, massiv in die | |
| Luft sprengen". | |
Die Lage am Golf spitzte sich am Donnerstag weiter zu. Nach dem israelischen Schlag gegen South Pars am Mittwoch feuerte der Iran wieder Raketen auf Katar und Saudi-Arabien ab. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy meldete "umfangreiche Schäden" und "beträchtliche Brände" in mehreren Flüssiggasanlagen (LNG) in der Industriestadt Ras Laffan. Dort wird etwa ein Fünftel des weltweiten Gasangebots verarbeitet. Ein Schiff wurde vier Seemeilen östlich der Anlage von einem unbekannten Geschoss getroffen, die Besatzung blieb unverletzt.
Auch Saudi-Arabien geriet ins Visier. Über der Hauptstadt Riad wurden nach Regierungsangaben am Mittwoch und Donnerstag ballistische Raketen abgefangen. Ein Branchenvertreter berichtete zudem von einem Luftangriff auf den saudiarabischen Hafen Yanbu am Roten Meer, dem derzeit einzigen Exportweg für Rohöl der Golfstaaten. Die Auswirkungen seien minimal gewesen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) fuhren ihre Gasanlage Habschan herunter, nachdem sie Raketen abgefangen hatten. Das Außenministerium in Abu Dhabi sprach von einem "terroristischen Angriff".
Während Trump erklärte, die USA hätten keine Vorabkenntnis von dem israelischen Angriff gehabt, berichtete das "Wall Street Journal" hingegen, der Präsident habe den Plänen zugestimmt. South Pars ist der iranische Sektor des weltweit größten Erdgasvorkommens, das sich der Iran mit Katar teilt. Katar ist ein enger Verbündeter der USA und beherbergt deren größten Militärstützpunkt in der Region.
Angesichts der Eskalation erwägt Trump Insidern zufolge die Entsendung Tausender weiterer US-Soldaten in den Nahen Osten. Diese könnten eingesetzt werden, um die Sicherheit für Öltanker in der Straße von Hormus wiederherzustellen, sagten ein US-Regierungsvertreter und drei weitere mit den Planungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Iran hat das Nadelöhr, durch das ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt, blockiert. Bitten Trumps an Verbündete, bei der Öffnung der Straße zu helfen, wurden bislang abgelehnt.
Die Außenminister von zwölf mehrheitlich muslimischen Ländern verurteilten bei einem Treffen in Riad die iranischen Angriffe. Der saudiarabische Außenminister Faisal bin Farhan warnte, der Druck des Iran werde politisch und moralisch nach hinten losgehen. "Wir behalten uns das Recht vor, militärische Maßnahmen zu ergreifen, falls dies für notwendig erachtet wird", sagte er. Während des Treffens war der Einsatz der Luftabwehr über dem Tagungshotel zu beobachten.
Der Konflikt hat massive Auswirkungen auf die Energiemärkte und schürt Inflationsängste. Die europäischen Gaspreise sind seit Beginn des Krieges am 28. Februar um mehr als 60 Prozent gestiegen. Die Angst vor langfristigen Versorgungsengpässen trieb auch den Ölpreis am Donnerstag weiter in die Höhe. Nordsee-Öl Brent und US-Öl WTI <CLc1> verteuerten sich in der Spitze um 5,4 beziehungsweise 3,8 Prozent auf 113,15 und 100,02 Dollar je Fass. Die gezielten Angriffe auf die Ölinfrastruktur deuteten auf eine länger anhaltende Unterbrechung der Ölversorgung hin, erklärt Priyanka Sachdeva von Phillip Nova.
Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen am Donnerstag auf ihrem Gipfel in Brüssel über Maßnahmen gegen den Preisanstieg beraten. Bei der Frage der Folgen des Iran-Krieges für die europäische Wirtschaft wird es auch darum gehen, ob die Belastung durch den CO2-Emissionshandel ausgesetzt und ob es einen Spritpreisdeckel geben soll. Die Bundesregierung lehnt dies bislang ab.
Nach Schätzungen der Menschenrechtsgruppe HRANA sind im Iran seit Beginn der Angriffe mehr als 3000 Menschen getötet worden. Im Libanon meldeten Behörden 900 Tote und 800.000 Vertriebene. Zudem solen im Verlauf des Krieges mindestens 13 US-Soldaten ums Leben gekommen sein.
(Mit weiteren Reuters-Büros Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Christian Götz Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)