Frankfurt, 19. Mrz (Reuters) - Das Einstampfen unprofitabler Produkte für Elektromobilität hat beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen im vergangenen Jahr für tiefrote Zahlen gesorgt. Der Verlust nach Steuern verdoppelte sich gegenüber dem schon schwierigen Vorjahr auf 2,1 Milliarden Euro, wie ZF am Donnerstag mitteilte. Das vorzeitige Ende von Projekten, die sich wegen des zu langsamen Hochlaufs von Elektroautos nicht rechneten, führte zu Sonderbelastungen von rund 1,6 Milliarden Euro. "Aber so nehmen wir Steine aus dem Rucksack für den Aufstieg in den kommenden Jahren", sagte ZF-Chef Mathias Miedreich. ZF hatte schon Ende Januar auf die Belastung hingewiesen, diese aber noch nicht beziffert.
Operativ schnitt der zweitgrößte deutsche Autozulieferer, auch dank seines Programms zu Kostensenkungen, besser ab. Das bereinigte Betriebsergebnis legte fast um ein Fünftel auf 1,75 Milliarden Euro zu, die Marge verbesserte sich bei rückläufigem Umsatz von 38,8 Milliarden Euro um einen Prozentpunkt auf 4,5 Prozent. Wirtschaftlich habe ZF damit seine Ziele für 2025 übertroffen, sagte Miedreich. "Die Bilanz zeigt die Last der Vergangenheit, das operative Geschäft weist Richtung Zukunft."
Der Stiftungskonzern vom Bodensee hatte sich an milliardenschweren Investitionen in die Elektromobilität verhoben. Die Rechnung ging nicht auf, die Krise der Autoindustrie verschärfte sich im vergangenen Jahr noch durch die hohen US-Importzölle, Lieferkettenprobleme und wachsende Billigkonkurrenz in China. Nach großen Übernahmen ist das Unternehmen zudem hoch verschuldet - die Nettoverschuldung verringerte sich im vergangenen Jahr um gut zwei Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Die Krise führte 2025 zu einem großen Konflikt mit dem Betriebsrat über den Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen in der Antriebssparte in Deutschland. Miedreichs Vorgänger Holger Klein musste seinen Hut nehmen.
Der Mitte 2024 angekündigte Stellenabbau werde wie geplant sozialverträglich umgesetzt, teilte ZF mit. Die Zahl der Beschäftigten sank im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 49.210 und schrumpfte weltweit ebenso stark auf gut 153.000.
Im laufenden Jahr ist keine Besserung in Sicht. "Das Gesamtbild hat sich nicht geändert: Wir sehen keine durchgreifende Belebung der Nachfrage. Es gilt, in einer Situation ohne nennenswertes Marktwachstum zu bestehen", sagte Finanzchef Michael Frick. Der Umsatz wird daher mit 38 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau erwartet, die Marge soll eine Spanne von vier bis fünf Prozent erreichen.
(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)