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19.03.2026 /12:39:53
FOKUS 2-Schweizer Notenbank gibt Interventionen Vorrang gegenüber Zinssenkung

(Neu:SNP-Präsident, Ökonomen)
 
*SNB: Erhöhte Bereitschaft zu Deviseninterventionen
 
*SNB hebt Inflationsprognose an
 
*SNB belässt Leitzins bei null Prozent
 
Zürich, 19. Mrz (Reuters) - Die Schweizerische
Nationalbank (SNB) hat angesichts des Iran-Krieges ihre
Bereitschaft zu Fremdwährungskäufen als Gegenmittel gegen den
starken Franken bekräftigt. "Wir sind zum Schluss gekommen, dass
unsere Interventionsbereitschaft erhöht sein muss, eben um diese
schnellen und übermäßigen Aufwertungen des Frankens abzudämpfen,
um die Preisstabilität in der Schweiz sicherzustellen", erklärte
SNB-Direktor Martin Schlegel am Donnerstag auf der
quartalsweisen Pressekonferenz der Notenbank. Weil die Inflation
auf absehbare Zeit im Zielband liegen dürfte, verzichten die
Währungshüter auf eine Änderung des Leitzinses, der mit null
Prozent auf dem niedrigsten Niveau aller größeren Währungsräume
liegt.

"In unsicheren Zeiten wird der Franken als sicherer Hafen gesucht", erklärte Schlegel. Mit der Eskalation im Nahen Osten habe der Aufwertungsdruck nochmals zugenommen. Der Franken notiert in der Nähe eines Elf-Jahres-Hochs zum Euro <EURCHF=>. Ein starker Franken verbilligt zwar Importe und dämpft so die Inflation, belastet aber die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. Die Hauptinstrumente der SNB, um gegen eine Franken-Aufwertung vorzugehen, sind Deviseninterventionen und der Leitzins. SNB-Präsident Martin Schlegel bekräftigte, dass Negativzinsen vielen Wirtschaftsakteuren Probleme bereiteten, entsprechend hoch seien die Hürden für einen solchen Schritt. In einer ersten verbalen Intervention seit dem Ausbruch des Konflikts hatte die Notenbank bereits Anfang des Monats versucht, die Attraktivität des Frankens zu dämpfen. Im vergangenen Jahr hatte die SNB für Fremdwährungskäufe bereits 5,2 Milliarden Franken ausgegeben. Die SNB wollte sich nicht dazu äußern, ob die Notenbank im laufenden Jahr bereits interveniert habe und wie hoch das Volumen für Fremdwährungskäufe 2026 ausfallen könnte.

Mit den aufgrund der Eskalation im Nahen Osten gestiegenen Energiepreisen dürfte die Inflation in den nächsten Quartalen stärker zunehmen, so die Notenbank in ihrer Mitteilung. Für das Jahr 2026 erwartet die SNB neu eine Teuerungsrate von 0,5 Prozent nach zuvor 0,3 Prozent. Für das kommende Jahr nahm die SNB die Inflationsprognose wegen des stärkeren Frankens leicht zurück auf ebenfalls 0,5 Prozent. Die niedrige Teuerung gibt der Notenbank Spielraum, die Zinsen niedrig zu halten, um den Preisdruck durch steigende Energiekosten abzufedern. Die SNB definiert Preisstabilität als eine Teuerungsrate zwischen null und zwei Prozent ? ein Ziel, das ihr gesetzlich vorgeschrieben ist. Das Wirtschaftswachstum veranschlagt die SNB für 2026 weiterhin mit rund einem Prozent.

"Die Botschaft der SNB ist im Grunde: Ruhe bewahren und Kurs halten", erklärte Brian Mandt von der Luzerner Kantonalbank. "Ich erwarte, dass sie durch den vorübergehenden, energiegetriebenen Inflationsanstieg infolge des Iran-Konflikts hindurchblickt und den Leitzins auch im weiteren Jahresverlauf bei null Prozent hält." Eine Zinserhöhung erscheine angesichts des sehr niedrigen Inflationsniveaus selbst bei anhaltend hohen Energiepreisen höchst unwahrscheinlich, erklärte auch UBS-Ökonom Maxime Botteron. "Andererseits würde eine Zinssenkung in den negativen Bereich unserer Ansicht nach nur dann in Betracht gezogen, wenn die Risiken einer globalen Rezession deutlich steigen und andere Zentralbanken ihre Leitzinsen rasch senken."

Der Zinsentscheid der SNB fiel in eine Woche voller Notenbank-Termine. Inmitten der Marktturbulenzen infolge des Iran-Krieges hielt die US-Notenbank am Mittwoch inne, der geldpolitische Schlüsselsatz bleibt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Gleichzeitig mit den Schweizern meldete auch die schwedische Reichsbank, dass sie die Zinsen stabil hält. Im Laufe des Donnerstags wollen zudem die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England ihre Beschlüsse bekannt geben. An den Märkten wird hier mit unveränderten Zinsen gerechnet.

(Bericht von Oliver Hirt und John Revill, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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