Nachricht


19.03.2026 /12:45:46
TOP-THEMA-Eskalation im Nahost-Krieg zwingt Dax in die Knie- Ölpreis belastet

*Angriffe auf Energieanlagen drücken Dax unter 23.000
Punkte
 
*Furcht vor steigenden Zinsen wächst
 
*EZB-Zinsentscheid erwartet

(Neu: Europäische Börsen, Einzelwerte, Zitate, Rohstoffe, Devisen)

- von Daniela Pegna
Frankfurt, 19. Mrz (Reuters) - Die wachsenden
Konjunktur- und Zinssorgen in Folge des Nahost-Krieges lassen
die Aktienbörsen weltweit taumeln. Nach Angriffen auf
Energieanlagen im Nahen Osten schnellte der Ölpreis am
Donnerstag erneut nach oben. Der deutsche Aktienindex
Dax <.GDAXI> rutschte unter die Marke von 23.000 Punkten, er fiel
in der Spitze um 2,7 Prozent auf ein Zehn-Monats-Tief von 22.872
Zählern. Der EuroStoxx <.STOXX50E> gab 2,3 Prozent nach. In Asien
ging es ebenfalls deutlich bergab, an der Wall Street bahnte
sich eine schwache Handelseröffnung an. Der Iran-Krieg habe eine
neue Eskalationsstufe erreicht, sagte Jochen Stanzl von der
Consorsbank. "Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur
nimmt dem Markt die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten
Produktionsniveaus, sollte der Krieg einmal enden."

Der Iran hatte am Mittwoch mit Raketenbeschuss auf Energieanlagen in Katar und Saudi-Arabien reagiert, nachdem das iranische Gasfeld South Pars vermutlich durch Israel attackiert worden war. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit der vollständigen Zerstörung des Gasfeldes, sollten weitere Angriffe auf Katar erfolgen. Der Preis für das Nordsee-Öl Brent zog besonders deutlich an - es verteuerte sich um bis zu 10,9 Prozent auf gut 119 Dollar je Fass. Seit Beginn des Krieges vor knapp drei Wochen ist der Preis wegen der Furcht vor langfristigen Versorgungsengpässen um gut 64 Prozent in die Höhe geschnellt. Die Notierung für das US-Öl WTI <CLc1> pendelte um die 100-Dollar-Marke.

FURCHT VOR VERSORGUNGSENGPÄSSEN AM ÖLMARKT

Die gezielten Angriffe auf die Ölinfrastruktur deuteten auf eine länger anhaltende Unterbrechung der Ölversorgung hin, sagte Analystin Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. Laut Charu Chanana vom Analysehaus Saxo betrifft der Konflikt jetzt nicht mehr nur die für den Öltransport wichtige Wasserstraße von Hormus, die derzeit vom Iran blockiert wird. Mit den Angriffen auf Anlagen gehe es um das Fundament des globalen Energiesystems, warnte der Experte.

Die steigenden Energiepreise schürten Inflationsängste und nährten die Sorge vieler Anleger, dass auch Zinserhöhungen bald wieder zum Thema für die Zentralbanken werden könnten. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwochabend signalisiert, die Zinsen in diesem Jahr wegen des Nahost-Konflikts voraussichtlich nur einmal zu senken. Der geldpolitische Schlüsselsatz blieb vorerst in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Zentralbanken steckten in der Zwickmühle, sagte Frank Sohlleder von ActivTrades. "Selbst mit restriktiven Zinssätzen können sie die Ursache dieser Inflation ? ein physisches Angebotsdefizit beim Öl ? nicht beheben."

Für den Dollar ging es angesichts der schwindenden Zinssenkungsfantasien bergauf. Der Dollar-Index <.DXY> gewann 0,2 Prozent auf 100,25 Punkte, seit Beginn des Nahost-Krieges vor knapp drei Wochen kommt er auf ein Plus von 2,7 Prozent. Die jüngste Dollar-Aufwertung wie auch die geldpolitischen Aussichten ließen die Preise für Gold <XAU=> und Kupfer taumeln. Die Notierungen für das Industrie- und das Edelmetall rutschten um gut drei Prozent ab. Der Euro <EUR=> lag vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am frühen Nachmittag kaum verändert bei 1,1457 Dollar. Experten erwarten, dass der Einlagensatz trotz des Ölpreisschocks vorerst bei 2,0 Prozent gehalten wird, im Sommer allerdings eine Erhöhung folgen könnte.

VONOVIA-AKTIE RAUSCHT IN DIE TIEFE

Auf der Unternehmensseite musste Vonovia <VNAn.DE> trotz der Zuwächse im vergangenen Jahr einen deutlichen Kursrückgang hinnehmen. Die Aktien rutschten im Dax zeitweise um 10,7 Prozent auf 21,97 Euro ab und markierten den tiefsten Stand seit November 2023. Unter seinem neuen Chef Luka Mucic will Deutschlands größter Immobilienkonzern in Erwartung steigender Zinsen die milliardenschwere Schuldenlast deutlich abbauen. Mucic scheine davon auszugehen, dass steigende Finanzierungskosten für Vonovia ein Thema werden könnten, erklärten Baader-Analysten. Für TAG Immobilien <TEGG.DE> und LEG Immobilien <LEGn.DE> ging es im MDax<.MDAXI > jeweils gut sieben Prozent bergab.

Punkten konnten die Aktien der United-Internet-Tochter Ionos <IOSn.DE>, die sich im MDax um fast 15 Prozent verteuerten. Der Cloud- und Webhosting-Anbieter steigerte die Erlöse um 5,5 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis um 18,5 Prozent auf 485,2 Millionen Euro.

(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).) ((daniela.pegna@thomsonreuters.com; Reuters Messaging:

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.