Nachricht


19.03.2026 /15:19:40
Zeitung: Russischer Blogger nach Putin-Kritik in Psychiatrie eingewiesen

19. Mrz (Reuters) - In Russland hat ein für seine Regierungstreue bekannter Blogger Kritik an Präsident Wladimir Putin sowie dessen Krieg gegen die Ukraine geäußert und wurde einem Medienbericht zufolge in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Dies berichtete die St. Petersburger Zeitung "Fontanka" am Donnerstag. Ilja Remeslo hatte sich lange als Kritiker von Putin-Gegnern gezeigt, bevor er selbst einer wurde. Am späten Dienstagabend veröffentlichte der Blogger auf seinem Telegram-Kanal, dem 90.000 Nutzer folgen, ein kritisches Manifest.

In dem Beitrag mit dem Titel "Fünf Gründe, warum ich aufgehört habe, Wladimir Putin zu unterstützen" warf Remeslo dem Präsidenten vor, einen "scheiternden Krieg" in der Ukraine zu führen. Der habe Millionen Menschen das Leben gekostet und die russische Wirtschaft ruiniert. "Wladimir Putin ist kein legitimer Präsident. Wladimir Putin muss zurücktreten und als Kriegsverbrecher und Dieb vor Gericht gestellt werden", schrieb Remeslo in seinem Beitrag.

Der Zeitung "Fontanka" zufolge wurde Remeslo in die Psychiatrische Klinik Nummer 3 eingewiesen. Über die Gründe für die Einweisung machte die Zeitung keine Angaben. Die Auskunftsstelle der Klinik habe jedoch bestätigt, dass ein Patient mit dem Namen Ilja Remeslo Pakete entgegennehmen könne. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte dies zunächst nicht bestätigen.

Unter dem sowjetischen Diktator Josef Stalin war es gang und gäbe, dass Regimekritiker oft für viele Jahre in die Psychiatrie eingewiesen wurden. Fast auf den Tag genau vor 70 Jahren rechnete der damalige Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow, in einer geheimen Rede auf dem 20. Parteitag mit Stalins Terror und dem Personenkult ab. Heute erlebt Stalin, der von Ende 1920 bis zu seinem Tod im März 1953 an der Macht war, im Russland Putins eine Renaissance. Viele sehen in Stalin den Sieger gegen Nazi-Deutschland. Stalin-Denkmäler, die einst abgerissen wurden, werden wieder aufgebaut. Und die Ende der 1980er Jahre entstandene Menschenrechtsorganisation Memorial, die sich um die Aufarbeitung stalinistischer Gewaltherrschaft in der Sowjetunion bemühte, wurde 2021 verboten und aufgelöst. Ein Jahr später erhielt Memorial den Friedensnobelpreis.

(Bericht von: Lucy Papachristou; geschrieben von Sabine Ehrhardt, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.