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19.03.2026 /16:13:04
TOP-THEMA-Industriestaaten wollen Energiemärkte stabilisieren und Hormus sichern

(Durchgehend neu)
 
*Auch Deutschland grundsätzlich zu Hilfe bereit
 
*Merz: Aber erst nach Ende des Krieges
 
*Katar: Schwere Schäden legen LNG-Produktion lahm
 
*Iran und USA drohen sich gegenseitig
 
*Energiepreise ziehen stark an
 
- von Andrew Mills und Timour Azhari und Andreas Rinke
Doha/Riad/Brüssel, 19. Mrz (Reuters) - Angesichts der
dramatischen Eskalation im Krieg gegen den Iran haben
Deutschland und andere führende europäische Nationen sowie
Japan Schritte zur Stabilisierung der Energiemärkte angekündigt.
In einer am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung
stellten sie zudem eine Beteiligung an der Sicherung der Straße
von Hormus in Aussicht. Die Gruppe ? bestehend aus Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Japan
? reagierte damit auf die massiven gegenseitigen Angriffe auf
Energieanlagen am Golf, die die Weltwirtschaft bedrohen.
Bundeskanzler Friedrich Merz schränkte allerdings ein,
Deutschland sei nach einem Ende des Krieges zur Hilfe bereit.

"Wir bekunden unsere Bereitschaft, zu angemessenen Bemühungen beizutragen, um die sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu gewährleisten", hieß es in der Erklärung. Zudem werde man mit Förderländern zusammenarbeiten, um die Ölproduktion zu erhöhen und die Märkte zu beruhigen. Die Staats- und Regierungschefs forderten ein sofortiges Moratorium für Angriffe auf zivile Infrastruktur.

"Ich möchte, dass ein klares Signal von uns ausgeht, dass wir bereit sind zu helfen", sagte Merz beim EU-Gipfel in Brüssel. "Aber dafür müssen die Kampfhandlungen eingestellt werden." Er sei dankbar für das Signal von US-Präsident Donald Trump, dass dieser bereit zu einem Ende der Kampfhandlungen sei. Allerdings setze dies ein Einlenken des Irans voraus. Man könne viel tun in Zusammenarbeit nicht nur mit Israel, sondern auch mit den Golfstaaten. "Es braucht dann auch ein internationales Mandat, das wir gegenwärtig nicht haben." Deshalb sei man noch viele Schritte von einer aktiven Hilfe entfernt.

"NEUE PHASE DES KRIEGES"

Vorausgegangen waren gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen. Nach einem israelischen Angriff auf das iranische Gasfeld South Pars attackierte Teheran das riesige Industriegebiet Ras Laffan in Katar. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy meldete "umfangreiche Schäden". Es seien 17 Prozent der Exportkapazität für Flüssigerdgas (LNG) ausgefallen, sagte der Chef des staatlichen Energiekonzerns QatarEnergy, Saad al-Kaabi, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Reparaturen könnten drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. In Ras Laffan wird etwa ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases (LNG) verarbeitet.

Auch Saudi-Arabien geriet ins Visier. Eine ballistische Rakete wurde über dem Hafen Janbu abgefangen, zudem traf eine Drohne die dortige Raffinerie Samref. Janbu am Roten Meer gilt als strategisch vital, da es derzeit der einzige verbliebene Exportweg für saudisches Öl ist, nachdem der Iran die Straße von Hormus faktisch blockiert hat.

Die iranische Armeeführung erklärte, mit den Schlägen gegen die mit den USA verbundene Energieinfrastruktur sei eine "neue Phase des Krieges" eingeleitet worden. Sollten iranische Anlagen erneut getroffen werden, werde man die Infrastruktur der US-Verbündeten "vollständig zerstören", warnte ein Sprecher.

TRUMP DROHT, ISRAELISCHE INSIDER WIDERSPRECHEN

US-Präsident Donald Trump erklärte auf der Plattform X, die USA hätten keine Vorabkenntnis von dem israelischen Angriff auf South Pars gehabt. Israel habe "aus Wut" über die Geschehnisse im Nahen Osten "heftig um sich geschlagen". Drei israelische Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters hingegen, der Schlag sei mit Trumps Zustimmung erfolgt, werde sich aber voraussichtlich nicht wiederholen.

Trump drohte dem Iran massiv: Sollte Katar erneut angegriffen werden, würden die USA das Gasfeld South Pars "mit oder ohne Hilfe Israels" komplett zerstören. Gleichzeitig erwägt der Präsident Insidern zufolge die Entsendung Tausender weiterer US-Soldaten in die Region, um die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wiederherzustellen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte, die Kriegsziele der USA seien unverändert: die Zerstörung der iranischen Raketenwerfer und der Rüstungsindustrie sowie die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe.

PREISSPRÜNGE UND INFLATIONSSORGEN

Der Konflikt fordert Tausende Opfer. Nach Schätzungen der Menschenrechtsgruppe HRANA wurden im Iran seit Beginn der US-israelischen Angriffe mehr als 3000 Menschen getötet. Im Libanon starben behördlichen Angaben zufolge 900 Menschen, 800.000 sind auf der Flucht. Auf US-Seite kamen bislang mindestens 13 Soldaten ums Leben.

Die Sorge vor einem globalen Energieengpass trieb zudem die Preise in die Höhe. Europäische Gaspreise legten um 25 Prozent zu und liegen nun mehr als 60 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn am 28. Februar. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise um fast zehn Prozent und notierte später bei 113 Dollar je Barrel.

Notenbanken reagierten besorgt. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England ließen ihre Leitzinsen unverändert und verwiesen auf Inflationsrisiken. Die EZB rechnet in einem Basisszenario nun mit einer Teuerungsrate von 2,6 Prozent für das Jahr 2026. An den Aktienmärkten gaben die Kurse in Asien und Europa deutlich nach.

(Mit weiteren Reuters-Büros Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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