| * Angriffe auf Energieanlagen drücken Dax unter 23.000 | ||
| Punkte | ||
| * | Furcht vor steigenden Zinsen wächst | |
| * | EZB und BoE halten Zinsen konstant | |
| * | Erdgaspreise springen nach oben | |
| (Neu: | Schlusskurse) | |
| - | von Daniela Pegna und Anika Ross | |
| Frankfurt, 19. Mrz (Reuters) - Der eskalierende | ||
| Nahost-Krieg peitscht die Energiepreise weiter nach oben und | ||
| hält die Aktienmärkte im Würgegriff. Anleger nahmen am | ||
| Donnerstag aus Angst vor den wirtschaftlichen und | ||
| geldpolitischen Folgen Reißaus: Der Dax <.GDAXI> rutschte unter | ||
| die Marke von 23.000 Punkten und fiel um 2,8 Prozent auf 22.839 | ||
| Punkte. Der EuroStoxx <.STOXX50E> gab 2,1 Prozent nach. An der | ||
| Wall Street ging es ebenfalls bergab. Die Notenbanken in der | ||
| Euro-Zone und Großbritannien hielten angesichts der drohenden | ||
| Inflationsgefahren die Leitzinsen stabil. | ||
Der Iran hatte am Mittwoch mit Raketenbeschuss auf Energieanlagen in Katar und Saudi-Arabien reagiert, nachdem das iranische Erdgasfeld South Pars vermutlich durch Israel attackiert worden war. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit der vollständigen Zerstörung des Feldes, sollten weitere Angriffe auf Katar erfolgen. "Der Krieg im Iran ist aus Sicht der Finanzmärkte in eine neue Phase getreten", sagte Ricardo Evangelista, Analyst bei ActivTrades.
Händler müssten nun ein höheres Risiko einer anhaltenden Unterbrechung der Ölversorgung aus dem Persischen Golf einkalkulieren. Der Preis für das Nordsee-Öl Brent verteuerte sich um bis zu 10,9 Prozent auf gut 119 Dollar je Fass. Am späten Nachmittag schmolz das Plus auf noch rund zwei Prozent ab. Seit Beginn des Krieges vor knapp drei Wochen ist der Preis wegen der Furcht vor langfristigen Versorgungsengpässen um gut 64 Prozent in die Höhe geschnellt.
Die gezielten Angriffe auf die Ölinfrastruktur deuteten auf eine länger anhaltende Unterbrechung der Ölversorgung hin, sagte Analystin Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. Laut Charu Chanana vom Analysehaus Saxo betrifft der Konflikt jetzt nicht mehr nur die für den Öltransport wichtige Wasserstraße von Hormus, die derzeit vom Iran blockiert wird. Mit den Angriffen auf Anlagen gehe es um das Fundament des globalen Energiesystems, warnte der Experte. Nach einem iranischen Angriff auf eine wichtige Anlage für Flüssigerdgas in Katar schnellten auch die Erdgaspreise in die Höhe. Der europäische Future stieg um rund elf Prozent auf 60,85 Euro je Megawattstunde. Die Reparatur der Anlagen wird nach Angaben von QatarEnergy drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.
Die steigenden Energiepreise schürten Inflationsängste und nährten die Sorge vieler Anleger, dass auch Zinserhöhungen bald wieder zum Thema für die Zentralbanken werden könnten. Die Europäische Zentralbank (EZB) tastete die Leitzinsen am Donnerstag wie erwartet nicht an und signalisierte angesichts steigender Inflationsrisiken Entschlossenheit im Kampf gegen die Teuerung. Der Euro <EUR=> wertete im Zuge dessen deutlich auf und gewann 0,9 Prozent auf 1,1549 Dollar. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe <DE10YT=RR> stieg zeitweise auf 3,010 Prozent und erreichte damit ein Zweieinhalbjahreshoch.
"Die EZB hat heute das Signal gegeben, dass sie rascher auf hohe und weiter steigende Energiepreise reagieren wird als die Fed", sagte Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwochabend signalisiert, die Zinsen in diesem Jahr wegen des Nahost-Konflikts voraussichtlich nur einmal zu senken. In Großbritannien hielten die Zentralbanker ebenfalls die Füße still.
Bei den Edelmetallen verbilligte sich Gold <XAU=> um rund fünf Prozent je Feinunze. Gold wird als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Turbulenzen geschätzt, verliert aber als zinslose Anlage in Zeiten hoher Zinsen tendenziell an Attraktivität. Aktien europäischer Minenunternehmen gerieten im Zuge dessen unter Druck. Der Sektorindex <.SXPP> rutschte um 4,3 Prozent ab.
Die steigenden Zinsen am Rentenmarkt machten auch den Immobilienwerten zu schaffen. Vonovia <VNAn.DE> rutschten mit einem Minus von 12,1 Prozent ans Dax-Ende, obwohl der Konzern Zuwächse im vergangenen Jahr erzielte. Unter seinem neuen Chef Luka Mucic will Deutschlands größter Immobilienkonzern in Erwartung steigender Zinsen die milliardenschwere Schuldenlast deutlich abbauen. Mucic scheine davon auszugehen, dass steigende Finanzierungskosten für Vonovia ein Thema werden könnten, erklärten Baader-Analysten.
(redigiert von Scot W. Stevenson Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).) ((daniela.pegna@thomsonreuters.com; Reuters Messaging: