Berlin, 20. Mrz (Reuters) - Ein Ende des umstrittenen Ehegattensplittings kann einer Studie zufolge zu mehr Geburten in Deutschland führen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin), die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorab vorlag. "Die Geburtenrate könnte um 5,7 Prozent höher liegen, wenn das Ehegatten-Splitting abgeschafft und Steuervorteile nicht mehr an die Heiratsurkunde gebunden würden, sondern an die Kinder", fasste RFBerlin-Projektleiterin Hanna Wang die Ergebnisse zusammen.
Zudem müssten die Steuervorteile pro Kind in etwa verdoppelt werden. "In einem solchen Paket müsste auch das maximale Elterngeld verdoppelt werden", sagte die Professorin der Autonomen Universität Barcelona. Die Gebühren für die Kinderkrippe sollten um knapp zehn Prozent sinken. "Auch das Kindergeld müsste ordentlich erhöht werden", fügte Wang hinzu. Die Studie schlägt auch Kürzungen von Leistungen vor, um den Aufwand für den Staat neutral zu halten. So sollte das Elterngeld nicht mehr 66 Prozent des Lohnes betragen, sondern nur noch 57 Prozent.
Das Ehegattensplitting sorgt vor allem Paaren für Steuervorteile, bei denen ein Partner viel und der andere wenig verdient. Die Finanzämter addieren hier das gemeinsame Jahreseinkommen und teilen es durch zwei, was bei großen Gehaltsunterschieden zu einer niedrigeren Gesamtsteuerlast führt. Das verhindert in der Praxis oft, dass Frauen nach einer familienbedingten Auszeit wieder in den Beruf zurückkehren. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rät deshalb schon seit langem zu einer Abschaffung.
Viele Ökonomen schlagen stattdessen ein Realsplitting vor, bei dem die Ehepartner im Prinzip unabhängig voneinander besteuert werden. Allerdings kann der Erstverdiener steuerlich einen gewissen Betrag auf den Zweitverdiener übertragen.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Wollrab - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)