Berlin, 20. Mrz (Reuters) - Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnt angesichts des eskalierenden Kriegs im Nahen Osten vor einem deutlichen Preisschub in Deutschland. Ein rund drei Monate währender Konflikt könnte die Inflationsrate auf rund 2,7 Prozent hochtreiben, sagten die Mannheimer Forscher am Freitag auf Basis ihrer Konjunkturumfrage unter Anlegern und Analysten voraus. Ein noch längerer und intensiverer Konflikt könnte die Wirtschaft in diesem Jahr sogar in eine Phase der Stagnation führen und die Inflation deutlich über die Zielmarke von zwei Prozent treiben.
"Steigende Energiepreise bremsen das Wachstum und verstärken zugleich den Inflationsdruck", sagte ZEW-Expertin Lora Pavlova. "Die massiv gestiegene Unsicherheit hält Investoren zurück und macht Haushalte sparsamer", ergänzte ihre Kollegin Anna-Lena Herforth.
Die Analyse unterscheidet drei mögliche Szenarien für den weiteren Verlauf des Konflikts, der am 28. Februar mit amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran begann. Am wahrscheinlichsten ist aus Sicht der befragten Finanzmarktexperten ein anhaltender Konflikt von bis zu drei Monaten. In diesem Fall dürften die Energiepreise länger erhöht und die wirtschaftliche Unsicherheit hoch sein. Das Wachstum in Deutschland würde sich dadurch spürbar verlangsamen. Ein noch längerer und intensiverer Konflikt könnte zu einer Stagflation führen - als einer Mischung aus stagnierender Wirtschaft bei spürbar steigenden Preisen. Eine schnelle Deeskalation, die zunehmend als unwahrscheinlich gilt, würde indes die wirtschaftlichen Folgen deutlich begrenzen.
Als wichtigste Ursache für die wirtschaftlichen Belastungen sehen die Finanzmarktexperten die stark gestiegenen Energiepreise. Diese erhöhten die Produktionskosten der Unternehmen und schwächten gleichzeitig die Kaufkraft der privaten Haushalte. Hinzu kämen Störungen von Lieferketten sowie eine sinkende Investitionsbereitschaft infolge hoher Unsicherheit.
Wirtschaftspolitisch erwarten die Befragten vor allem fiskalische Maßnahmen zur Stabilisierung der Energieversorgung und zur Entlastung von Unternehmen und Haushalten. Gleichzeitig steht die Geldpolitik vor einem Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und der Stabilisierung der Konjunktur.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)