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20.03.2026 /14:59:15
VORSCHAU-Dax bleibt im Würgegriff des Nahostkrieges

*Dax dürfte es weiter schwer haben
 
*Angst vor Energiekrise belastet
 
*Stratege: Anleger teilweise noch zu sorglos
 
- von Anika Ross
Frankfurt, 20. Mrz (Reuters) - Der Krieg im Nahen Osten
wird Börsianern zufolge auch in der neuen Woche die Richtung am
deutschen Aktienmarkt vorgeben. Anleger stellen sich die bange
Frage, wie stark die Energiepreise noch steigen und wie sehr die
Weltwirtschaft davon betroffen sein wird. Zuletzt eskalierte die
Lage mit der Beschädigung von Energieinfrastruktur sowohl im
Iran als auch in Katar und Kuwait. Auch die für den Ölhandel
relevante Meerenge von Hormus ist für Schiffe weiterhin
unpassierbar. "Das Risiko einer Energiekrise - ähnlich wie nach
der Ukraine-Invasion im Jahr 2022 - ist damit gewachsen", sagen
die Strategen der LBBW. Der Chef der Internationalen
Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte sogar vor der
möglicherweise schwersten Energiekrise der Geschichte. Es könne
bis zu sechs Monate dauern, die Öl- und Gasflüsse aus der
Golfregion wiederherzustellen. Rund ein Fünftel der weltweiten
Öl- und Gasversorgung sei in der Region blockiert. Politiker und
Märkte unterschätzten das Ausmaß der Störung, erklärte Birol.

Händler müssen ein höheres Risiko einer anhaltenden Unterbrechung der Ölversorgung aus dem Persischen Golf einkalkulieren. Seit Beginn des Krieges vor knapp drei Wochen ist der Preis für das Nordsee-Öl Brent wegen der Furcht vor langfristigen Versorgungsengpässen um gut 64 Prozent in die Höhe geschnellt. Je teurer das Öl, desto tiefer fielen in den vergangenen Tagen die Aktienkurse. Auf Wochensicht kam der Dax auf ein Minus von fast drei Prozent und notierte am Freitag rund 100 Punkte unter der 23.000er Marke.

SIND DIE ANLEGER NOCH ZU SORGLOS?

Der Dax-Ausverkauf hielt sich nach Einschätzung der Helaba dennoch in Grenzen, denn die Kursrückgänge hätten zwischenzeitlich auch wieder Käufer angelockt. "Offensichtlich gibt es noch Investoren, die dieses Niveau eher als Kaufopportunität bewerten", sagt Helaba-Strategin Claudia Windt. Die Stimmung der Anleger sei eher sorglos als panisch, heißt es auch bei der LBBW. Für die Aktienstrategen der DZ Bank würde ein dauerhaft hoher Ölpreis die Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte weltweit zwar merklich eintrüben. Es bestehe aber die Chance, dass der Konflikt auf absehbare Zeit schon wieder vergessen sei. Bislang überwiege weiterhin die Perspektive, dass weder die USA noch der Iran ein Interesse daran haben dürften, wenn die Öl- und Gasproduktion militärisch stärker ins Visier genommen würde.

Die LBBW-Experten warnen indes vor der Annahme, dass der Spuk an den Finanzmärkten schnell wieder vorbei sein könnte. Historische Vergleiche zeigten, dass Börsenkorrekturen bei Terror- und Kriegsereignissen zumeist einige Monate andauern, ehe eine Erholung einsetzt. "Die Volatilität dürfte hoch bleiben, eine defensive Positionierung ist weiterhin angebracht."

NOTENBANKEN IN DER KLEMME

Auch für die Zentralbanken bleibt die Lage knifflig. "Sollten anhaltend höhere Rohölpreise die Inflationsraten dauerhaft deutlich über die Zielniveaus der Notenbank hieven, sodass Zweitrundeneffekte zu befürchten sind, bliebe den Verantwortlichen von EZB, Fed & Co. wenig anderes übrig, als entschlossen gegen den Preisdruck vorzugehen und die Leitzinsen anzuheben", heißt es bei der DZ Bank. Dann könnte allerdings die ohnehin angeschlagene globale Konjunktur zusätzlich unter Druck geraten. Zwar ließ die EZB ihre Leitzinsen in der ablaufenden Woche unverändert, schlug jedoch vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Nahen Osten einen restriktiveren Ton an. "Für eine klare Einschätzung der geldpolitischen Reaktion ist es aus unserer Sicht noch zu früh, da sowohl Intensität als auch Dauer der Störungen äußerst unklar bleiben", sagt Konstantin Veit, Portfoliomanager bei Pimco. "Die EZB wird besonders auf mögliche Spillover-Effekte auf die Kerninflation achten und die Inflationserwartungen sehr genau beobachten."

STIMMUNGSINDIKATOREN AUF DEM PRÜFSTAND

Das Augenmerk der Investoren liegt entsprechend auf der Konjunkturentwicklung: In der Berichtswoche stehen am Dienstag die deutschen Einkaufsmanagerindizes und am Mittwoch das ifo-Geschäftsklima auf dem Programm. Stimmungsrückgänge sind Analysten zufolge zu erwarten. Für den kurzfristigen Ausblick beim Ifo-Index ist nach Ansicht von Commerzbank-Experte Ralph Solveen aber wichtiger, wie die Unternehmen die aktuelle Lage beurteilten. "Sollte dieses Urteil etwas besser ausfallen, wäre dies ein weiteres kleines Hoffnungszeichen für die deutsche Wirtschaft."

Aus den USA stehen am Donnerstag die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung an. Am Freitag folgt das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.

(Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



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