Berlin, 20. Mrz (Reuters) - Knapp jeder zweite Beschäftigte in Deutschland ist in einem Betrieb mit Tarifvertrag tätig. 2025 galt das für 49 Prozent der Beschäftigten, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. "Damit blieb die Tarifbindung im Vergleich zu den Vorjahren konstant", hieß es. Allerdings: Dem gewerkschaftsnahen WSI-Institut zufolge lag der Anteil im Jahr 2000 noch bei mehr als zwei Dritteln.
"Zwischen den einzelnen Branchen und auch regional bestehen deutliche Unterschiede", fanden die Statistiker. Die höchste Tarifbindung gab es im Bereich "Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung" mit 100 Prozent. Es folgten die Energieversorgung (84 Prozent), Erziehung und Unterricht (79 Prozent) und Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (68 Prozent). Die geringste Tarifbindung gab es in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (zehn Prozent), Kunst, Unterhaltung und Erholung (21 Prozent), Grundstücks- und Wohnungswesen (21 Prozent) sowie Gastgewerbe und Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (jeweils 23 Prozent). "Im Vergleich zum Vorjahr veränderte sich die Tarifbindung in den Branchen damit kaum", so das Fazit der Statistiker.
Im Bundesländer-Vergleich war die Tarifbindung in Bremen (56 Prozent), im Saarland (52 Prozent) und in Nordrhein-Westfalen (51 Prozent) am höchsten. Die geringsten Werte wiesen Sachsen (42 Prozent), Berlin (45 Prozent) und Schleswig-Holstein (46 Prozent) aus. Als tarifgebunden wird ein Betrieb dann klassifiziert, wenn ein Branchen- oder Firmentarifvertrag Anwendung findet.
Betriebe mit Tarifvertrag bieten Mitarbeitern laut einer Studie des gewerkschaftsnahen Instituts WSI bessere Arbeitsbedingungen als vergleichbare Firmen ohne. So würden Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Unternehmen im Mittel länger arbeiten und trotzdem Prozent weniger verdienen.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)