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20.03.2026 /08:15:13
Deutsche Erzeugerpreise vor Iran-Krieg mit größtem Rückgang seit fast zwei Jahren

Berlin, 20. Mrz (Reuters) - Die deutschen Erzeugerpreise sind vor Ausbruch des Iran-Kriegs wegen billigerer Energie so stark gefallen wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Hersteller gewerblicher Produkte - von Lebensmitteln bis zu Industriegütern - verlangten im Februar 3,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 2,7 Prozent gerechnet. "Auf die Februarergebnisse der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte hatten die Kriegshandlungen im Iran und dem Nahen Osten seit dem 28. Februar 2026 keinen Einfluss", so die Statistiker.

In der Statistik werden die Preise für Produkte von Herstellern geführt, bevor sie etwa in den Groß- und Einzelhandel kommen. Sie sind deshalb ein Frühsignal für die allgemeine Inflation. Verbraucher mussten im Februar 1,9 Prozent mehr für Waren und Dienstleistungen bezahlen als ein Jahr zuvor. Wegen der seit Beginn des Iran-Kriegs vor rund drei Wochen stark gestiegenen Öl- und Gaspreise zeichnet sich allerdings ein Inflationsschub ab. Manche Experten rechnen mit einem Anstieg der Teuerungsrate auf etwa 2,5 Prozent.

"Alles in allem dürfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten eher noch zulegen, wenn ein längerer Krieg die Energiepreise weiter steigen lässt und die höheren Gaspreise nach und nach bei den privaten Haushalten ankommen", heißt es etwa in einer Analyse der Commerzbank. Allerdings dürfte der Schub bei den Energiepreisen nicht ganz so stark sein wie 2021 und 2022 infolge von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg. "Wir rechnen nicht wie damals in der Spitze mit zweistelligen Werten, sondern mit Inflationsraten von gut drei Prozent, bei einer weiteren Eskalation des Krieges könnten auch vier Prozent erreicht werden", so die Commerzbank.

Im Februar dämpften sinkende Energiepreise die Teuerung auf Erzeugerebene. Diese fielen um 12,5 Prozent im Vergleich zum Februar 2025. Dabei gaben die Erdgaspreise mit 14,3 Prozent besonders stark nach. Auch elektrischer Strom kostete deutlich weniger (-13,4 Prozent), während Fernwärme nur leicht günstiger (-0,5 Prozent) wurde. Leichtes Heizöl verbilligte sich um 6,4 Prozent, während Kraftstoffe 1,6 Prozent mehr kosteten.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Reinhard Becker. - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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