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20.03.2026 /09:50:50
FOKUS 1-Inflationsgefahr alarmiert EZB: Thema Zinserhöhung rückt in den Fokus

(neu: Villeroy, Ölpreis, Hintergrund)
 
*Nagel: Bei eingetrübtem Inflationsausblick Zinserhöhung
denkbar
 
*Villeroy: EZB ist bereit zu handeln
 
*Leichte Entspannung am Ölmarkt nach rasantem
Preisanstieg
 
Berlin/Paris, 20. Mrz (Reuters) - Bundesbankchef Joachim
Nagel sieht die EZB bei erhöhter Inflationsgefahr im Zuge des
Iran-Kriegesvor einer Zinserhöhung. Nach dem derzeitigen Stand
der Dinge sei es denkbar, dass sich die mittelfristigen
Inflationsaussichten verschlechterten und die
Inflationserwartungen nachhaltig steigen könnten, sagte das
Ratsmitgliedder Europäischen Zentralbank in einem am Freitag
veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Dies würde bedeuten, dass ein restriktiverer geldpolitischer
Kurs wahrscheinlich notwendig wäre. Zuverlässigere Daten hierzu
würden voraussichtlich bereits bei der nächsten Ratssitzung Ende
April vorliegen. Auch Frankreichs Notenbankchef Francois
Villeroy de Galhau betonte die Handlungsbereitschaft der EZB:
"Wir bleibenam Ball und sind bereit zu handeln", sagte er in
einem Interview mit des Finanznachrichtenportals Boursorama.

Jedoch wollte Villeroy nicht konkreter werden: Über mögliche Zinserhöhungen werde in jeder Sitzung einzeln entschieden, sagte er. Eine Zinserhöhung sei wahrscheinlicher als eine Senkung. Die Euro-Zentralbank werde angesichts der Preisschwankungen bei Öl und Gas weder untätig bleiben noch überreagieren. Sie sei bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Inflation auf ihrem Zielwert von zwei Prozent zu stabilisieren.

Reuters hatte nach der jüngsten Zinssitzung von Insidern erfahren, dass im Zuge heraufziehender Inflationsgefahr infolge des Nahost-Krieges im EZB-Rat eine baldige Zinserhöhung ins Auge gefasst wird. Falls sich die Lage nicht bald entspanne, müsse das Thema auf der Sitzung Ende April auf den Tisch, hieß es.

Nach dem zuletzt rasanten Preisanstieg am Ölmarkt hat sich die Lage am Freitag etwas entspannt. Nordseeöl Brent und US-Öl WTI <CLc1> verbilligten sich um gut zwei Prozent auf 106,57 beziehungsweise 94,06 Dollar je Fass. Am Donnerstag hatte die Angst vor langanhaltenden Versorgungsengpässen Brent zeitweise bis auf 119 Dollar je Barrel getrieben. Für Erleichterung sorgte zum Wochenschluss, dass führende europäische Länder und Japan anboten, sich den Bemühungen um eine sichere Durchfahrt für Schiffe durch die Straße von Hormus anzuschließen. Die USA stellten zudem eine baldige Aufhebung der Sanktionen für auf Tankern lagerndes iranisches Öl in Aussicht. Analysten gehen jedoch davon aus, dass die Ölpreise vorerst hoch bleiben.

Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Leitzins am Donnerstag bei 2,0 Prozent. Zugleich zeigten sich die Währungshüter wegen des Ölpreisschocks alarmiert: Durch höhere Energiepreise werde sich der Nahost-Krieg auf kurze Frist "erheblich" auf die Inflation auswirken, warnte die Notenbank.

Die mittelfristigen Auswirkungen würden auch von der Intensität und der Dauer des Konflikts abhängen. "Der EZB-Rat ist gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen", hieß es weiter. Die EZB-Fachleute veranschlagen in ihrer Projektion für den Euroraum in einem Basisszenario eine Gesamtinflation von durchschnittlich 2,6 Prozent für 2026, 2,0 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028.



(Bericht von Makini Brice, Gianluca Lo Nostro,Inti Landauro, Reinhard Becker, Mitarbeit Daniela Pegna, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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