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20.03.2026 /12:51:50
FOKUS 1-Rüstungszulieferer Vincorion mit starkem Börsendebüt

* Aktie legt um mehr als 17 Prozent zu
 
*Deutsche Börse: Rückenwind aus Branche hilft Vincorion
 
*Aktienerlös ging an Finanzinvestor Star Capital
 
*Vincorion-Chef: Verdienen genug zur
Wachstumsfinanzierung
 
(Neu durchgeschrieben mit Kurs, Firmenchef, Börse-Manager)
München/Frankfurt, 20. Mrz (Reuters) - Der norddeutsche
Rüstungszulieferer Vincorion <V1NC.DE> hat am Freitag ein
erfolgreiches Börsendebüt gefeiert. Der Aktienkurs legte am
ersten Handelstag zeitweise auf 19,93 Euro zu und lag damit 17,2
Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Euro. "Wir sind natürlich
erstmal extremst zufrieden mit dem Erfolg, den wir heute hier
feiern können", sagte Firmenchef Kajetan von Mentzingen zu
Reuters TV.

"Vincorion geht mit starken Fundamentaldaten und Rückenwind aus der Branche an die Börse", sagte der Kapitalmarktchef der Deutschen Börse <DB1Gn.DE>, Stefan Maassen, zu Reuters. "Ein positives Signal für den Markt waren die Ankerinvestoren, die frühzeitig im Prozess Zusagen gemacht haben." Während die Aktienmärkte auch unter dem Eindruck des Iran-Krieges nachgegeben haben, stehen Rüstungswerte bei Anlegern bereits seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hoch im Kurs. "Die Deutsche Börse ist in Bezug auf Handel und Börsennotierungen ein Zentrum für Rüstungswerte", sagte Maassen.

Der Vincorion-Eigentümer Star Capital hatte mit der Platzierung von 20,3 Millionen Aktien 345 Millionen Euro erlöst. Der britische Finanzinvestor hatte seine Beteiligung von 88,1 auf 47,5 Prozent reduziert. Zum Ausgabepreis war Vincorion mit 850 Millionen Euro bewertet worden. Das ist mehr als das Sechsfache des Wertes von rund 130 Millionen Euro, zu dem Star Capital das Unternehmen vor knapp vier Jahren vom Technologiekonzern Jenoptik <JENGn.DE> gekauft hatte.

Vincorion hat sich auf Energieversorgung und Mechatronik für Panzer und Flugzeuge spezialisiert. Dazu zählen Generatoren zur Stromversorgung von Fahrzeugen und Flugabwehrsystemen, Heizungen für Flugzeuge oder Stabilisatoren für Panzer. Der Umsatz des Unternehmens aus Wedel bei Hamburg lag im vergangenen Jahr bei 240 Millionen Euro. Drei Jahre zuvor war er noch gut halb so hoch. Angesichts der Aufrüstung in Europa sitzt Vincorion mit 900 Mitarbeitern auf Aufträgen im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro.

Von Mentzingen verwies darauf, dass das Unternehmen für viele Systeme ein zentraler Zulieferer sei und versprach den Aktionären weiteres Wachstum: "Da wird noch viel kommen." Die Umstellung der Produktion vom Manufakturbetrieb auf industrielle Serienfertigung schreite voran. "Da sind wir auf einem guten Weg", sagte der Manager. Dass der Erlös des Börsengangs allein an den Eigentümer und nicht ins Unternehmen fließe, sei kein Problem: "Geld, reines Geld jetzt, um unser Wachstum zu finanzieren, brauchen wir nicht. Dafür verdienen wir genug."

Dass der Iran-Krieg die Nachfrage bei Vincorion ankurble, glaube er nicht, sagte von Mentzingen. Der Konflikt bestätige allerdings das Geschäftsmodell: "Das gibt uns unseren Sinn und das zeigt uns, dass wir an den richtigen Systemen arbeiten", erläuterte der Manager. "Wir beliefern ja zum Beispiel die Luftverteidigung, und die schützt Städte."

Vincorion ist nach dem österreichischen Kupfer-Spezialisten Asta Energy in diesem Jahr der zweite Neuling im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse. Im Freiverkehrs-Segment Scale hatte Anfang März die Lübecker Gabler Group <XK4.F>, die ebenfalls an die Rüstungsindustrie liefert, ihr Debüt gefeiert. Ihre Aktien lagen am Freitag mit 47,20 Euro 7,3 Prozent über dem Ausgabepreis von 44 Euro.

(Bericht von Alexander Hübner, Tilman Blasshofer, Maria Rügamer, Daniela Pegna und Jörn Poltz. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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