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20.03.2026 /12:02:32
HINTERGRUND-Iran-Krieg birgt Gefahr neuer Preisschocks für Entwicklungsländer

*Golfregion wichtiger Produzent und Transportweg für
Düngemittel
 
*Düngemittelpreise teils um 30 bis 40 Prozent gestiegen
 
*Geringerer Düngereinsatz könnte Ernten verringern
 
*Entwicklungsländer laut Moody's am anfälligsten
 
- von Libby George und Karin Strohecker
London, 20. Mrz (Reuters) - Der Iran-Krieg treibt die
Preise für Energie und Lebensmittel weltweit in die Höhe und
gefährdet besonders Schwellen- und Entwicklungsländer. Ökonomen
und internationale Organisationen warnen, dass in diesen Ländern
Verbraucher einen deutlich größeren Teil ihres Einkommens für
Nahrungsmittel und Energie ausgeben - und somit Preisschocks
schneller und härter durchschlagen. Es folgt ein Überblick:
DÜNGEMITTEL UND ENERGIE TREIBEN DIE PREISE

Es kommen zwei Dinge zusammen: Durch den Krieg fallen in großem Umfang Düngemittel-Lieferungen aus. Die Golfregion ist dafür ein zentraler Produzent und Umschlagplatz. Die Blockade der Straße von Hormus unterbricht die Lieferungen aus der Golfregion, einem Hauptproduzenten von Harnstoff - dem weltweit wichtigsten Stickstoffdünger. Über diese Route laufen nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) rund 30 Prozent des weltweiten Düngemittelhandels. Die Bank of America warnt, dass die Preise bereits um 30 bis 40 Prozent gestiegen seien. Anders als bei Öl gibt es keine strategischen Reserven.

Hinzu kommen stark gestiegene Energiepreise: Die Referenzpreise für Öl und Gas haben bereits um mehr als 50 Prozent zugelegt. Das verteuert Produktion, Transport und Verarbeitung entlang der gesamten Agrarlieferkette.

WARUM SIND DÜNGEMITTEL SO ENTSCHEIDEND?

Düngemittel sind für die Erträge vieler Feldfrüchte zentral. Wenn Bauern wegen hoher Preise oder wegen Knappheit weniger düngen, sinken in der Regel die Ernten. Das betrifft zunächst vor allem stickstoffintensive Pflanzen wie Mais und Weizen. Höhere Kosten für Futtermittel schlagen später auf alles von Brot bis hin zu Geflügel und Eiern durch. Während zunächst Energie- und Düngerkosten steigen, könnten die daraus resultierenden geringeren Erträge eine zweite Welle bei den Lebensmittelpreisen auslösen.

ENTWICKLUNGSLÄNDER BESONDERS HART BETROFFEN

In Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Anteil von Lebensmitteln und Treibstoff an den Ausgaben der Haushalte mit 30 bis 50 Prozent deutlich höher als in Industrieländern (unter 25 Prozent), wie die Ratingagentur Moody's erläutert. Das macht sie extrem anfällig für Preisschocks von außen. Stark betroffen sind Länder wie Somalia, Bangladesch und Pakistan, die von Lieferungen vom Golf abhängig sind. In Kenia sind die Düngemittelkosten laut FAO bereits um 40 Prozent gestiegen. Selbst Agrarmächte wie Brasilien sehen laut ihrem Landwirtschaftsministerium Probleme bei der Versorgung.

FOLGEN FÜR ZINS- UND WIRTSCHAFTSPOLITIK

Bei hohen Preisen steigt die Gefahr sozialer Unruhen, wie sie 2022 etwa in Chile und Tunesien zu sehen waren. Zudem könnten Getreide vermehrt für Biokraftstoffe statt für Nahrungsmittel verwendet werden. Ein weiteres Risiko sind sinkende Geldüberweisungen von Arbeitsmigranten aus der Golfregion in ihre Heimatländer wie Pakistan oder den Libanon.

Die Sorge vor neuer, energiegetriebener Inflation könnte Zinssenkungen in Schwellenländern verzögern, was die Finanzierungskosten hoch halten und das Wachstum belasten würde. Entwicklungsbanken prüfen bereits Hilfen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung erwägt Unterstützungspakete, darunter Hilfe bei der Finanzierung von Dünger.

Nach Einschätzung der FAO hängt viel von der Dauer des Konflikts ab. Der Chefökonom der FAO, Maximo Torero, warnt: "Wenn es länger als einen Monat dauert, werden wir Probleme bei der Aussaat und bei den Erträgen haben."

(Geschrieben von Holger Hansen, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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