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20.03.2026 /13:25:06
FOKUS 1-Dax bleibt angeschlagen - Ölpreis-Kapriolen bremsen Leitindex aus

*Brentpreis weiter jenseits der 100-Dollar-Marke
 
*Zins- und Konjunktursorgen belasten
 
*Elmos-Aktie deutlich im Aufwind - Gründer erwägen
Verkauf

(Neu: Europäische Börsen, Einzelwerte, Zitate, Devisen, Ölpreis)

Frankfurt, 20. Mrz (Reuters) - Die Angst vor einer
globalen Energiekrise durch den Nahost-Krieg hat die
Dax <.GDAXI>-Anleger zum Wochenschluss erneut in Unruhe versetzt.
Der deutsche Leitindex drehte nach anfänglichen Gewinnen ins
Minus und notierte gegen Mittag kaum verändert bei 22.845
Punkten. Der EuroStoxx <.STOXX50E> pendelte ebenfalls um seinen
Schlusskurs vom Vortag. "Der Dax zollt dem massiven
Inflationsdruck bereits jetzt gnadenlos Tribut, während positive
Impulse auf dem Parkett schlichtweg Mangelware sind", sagte
Frank Sohlleder von ActivTrades. Auf Wochensicht kommt der Dax
auf ein Minus von fast drei Prozent.

Für Nervosität sorgten die anhaltenden Kapriolen am Ölmarkt. Das Nordseeöl Brent lag mit rund 111 Dollar je Barrel weiterhin deutlich jenseits der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Dass führende europäische Länder und Japan anboten, sich den Bemühungen um eine sichere Durchfahrt für Schiffe durch die Straße von Hormus anzuschließen, sorgte nur kurzzeitig für einen Preisrückgang. "Der Schaden ist angerichtet, und selbst wenn eine sichere Passage für Tanker durch Hormus irgendwie ausgehandelt wird, kann die Wiederbelebung der Logistik in vollem Umfang sehr lange dauern", sagte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova.

ANLEGER FÜRCHTEN BALDIGE ZINSERHÖHUNGEN

Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran praktisch zum Erliegen gekommen. Durch die Meerenge werden normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgas-Lieferungen transportiert. Die Ölexporte aus der Region sind um mindestens 60 Prozent eingebrochen. Gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen am Golf verschärften die Situation zuletzt nochmals. Seit Beginn des Nahost-Krieges ist der Brent-Preis um gut 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Anleger fürchten, dass dies die Teuerung nach oben treiben und eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken zur Folge haben könnte.

Reuters hatte nach der jüngsten Zinssitzung von Insidern erfahren, dass wegen der Inflationsgefahr im EZB-Rat eine baldige Zinserhöhung ins Auge gefasst wird. Der Euro <EUR=> war wegen der Zinsspekulationen am Donnerstag deutlich gestiegen, zum Wochenschluss notierte er leicht schwächer bei 1,1571 Dollar. Der Dollar-Index <.DXY> lag mit 99,38 Punkten minimal fester.

HEXENSABBAT SORGT FÜR KURSAUSSCHLÄGE

Auf der Unternehmensseite mussten einige Werte am sogenannten Hexensabbat zum Teil deutliche Kursausschläge hinnehmen. Zu diesem großen Verfallstermin werden an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Investoren versuchen daher, die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung zu bewegen. Zu den größten Gewinnern im Dax zählten Infineon <IFXGn.DE> und Heidelberg Materials <HEIG.DE> mit einem Plus von jeweils gut vier Prozent. Schwächster Dax-Wert waren die Papiere von SAP <SAPG.DE>, die rund vier Prozent nachgaben.

Im MDax <.MDAXI> gerieten die Aktien von Bechtle <BC8G.DE> nach der Vorlage des Ausblicks für das laufende Geschäftsjahr unter die Räder. Die Titel des schwäbischen IT-Unternehmens fielen in der Spitze um rund 17 Prozent auf 24,80 Euro und markierten damit den tiefsten Stand seit Anfang 2019. "Wir rechnen auch für 2026 mit Gegenwind aufgrund der herausfordernden Rahmenbedingungen", sagte Bechtle-Finanzchef Christian Jehle. Entscheidend sei, wie sich im weiteren Jahresverlauf die Versorgungslage für Speicherkomponenten entwickele.

Ein Kursfeuerwerk löste dagegen der mögliche Verkauf von Elmos Semiconductor <ELGG.DE> aus. Die Titel der Chipfirma schnellten im SDax <.SDAXI> um gut zehn Prozent auf 142 Euro in die Höhe. Die Gründer von Elmos erwägen laut einem Reuters-Bericht einen Ausstieg bei dem Chipzulieferer für die Autoindustrie. "Das kommt unerwartet", sagte ein Händler. Für die Aktien seien die Nachrichten klar positiv.

An der Londoner Börse machte der britische Konsumgüterriese Unilever von sich reden. Der Konzern verhandelt über einen Verkauf seiner Lebensmittelsparte an den US-Gewürzhersteller McCormick & Company <MKC.N>. Die Unilever-Aktien gewannen bis zu 1,9 Prozent.

(Bericht von Daniela Pegna. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).) ((daniela.pegna@thomsonreuters.com; Reuters Messaging:

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