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20.03.2026 /14:00:02
HINTERGRUND-Wie die Börsenpläne von Adnoc und OMV aus der Spur gerieten

- von Alexandra Schwarz-Goerlich
Wien, 20. Mrz (Reuters) - Inmitten des Iran-Konflikts
haben der österreichische Energiekonzern OMV und sein
Kernaktionär Adnoc aus Abu Dhabi ihre gemeinsamen
Chemie-Börsenpläne deutlich zurückgeschraubt. Zwar halten sie an
der milliardenschweren Fusion ihrer Chemie-Beteiligungen
Borealis, Borouge und Nova Chemicals fest. Doch kurz
vor dem für Ende März geplanten Zusammenschluss der Töchter zur
Borouge Group International (BGI) verschieben OMV und Adnoc
nicht nur deren gleichfalls geplanten Börsengang, sondern kappen
auch Dividenden- und Investitionsziele.

Einen direkten Zusammenhang mit dem Krieg wies die OMV auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters zurück. Es gehe bei der Verschiebung lediglich darum, den besten Zeitpunkt für die Aktionäre zu wählen. Die neuen Vereinbarungen zeigen jedoch: In einer veränderten Sicherheitslage steht nun statt rascher Expansion der Schutz der Bilanz im Vordergrund.

Das Projekt trifft infolge von Drohnenangriffen auf die Infrastruktur in Abu Dhabi und der Blockade wichtiger Seewege auf ein verändertes Marktumfeld. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und insbesondere Adnoc gerieten zuletzt in den Fokus der Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran. Nach Drohnenangriffen musste Adnoc Insidern zufolge in den vergangenen Tagen sowohl seine Raffinerie in Ruwais als auch die Ölverladung im Hafen von Fudschaira vorübergehend schließen. Da der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gekommen ist, ist die Ölproduktion der VAE laut Informationen von Reuters um mehr als die Hälfte eingebrochen. Adnoc-Chef Sultan Al Jaber sprach auf der Plattform LinkedIn von einer "globalen wirtschaftlichen Kriegsführung". Die Angriffe auf die kritische Infrastruktur seien ungerechtfertigt und illegal.

Vor diesem Hintergrund ist die spürbarste Änderung bei dem Gemeinschaftsunternehmen die Gewinnausschüttung. Bei der Ankündigung des Vorhabens hatte die OMV für sich noch eine jährliche Dividende von rund einer Milliarde Dollar in Aussicht gestellt. Diese Summe wurde offenbar intern zunächst auf 500 Millionen Dollar halbiert. Für das Geschäftsjahr 2026 wird dieser Betrag nun noch einmal um 50 Prozent gekürzt, wie die OMV nun bekanntgab: Sie rechnet nur noch mit einem Beitrag von 250 Millionen Dollar. Dies dürfte für die OMV-Aktionäre eine um 0,60 bis 0,70 Euro geringere Dividende je Aktie bedeuten.

Darüber hinaus treten die Partner bei den Investitionen auf die Bremse. Ursprünglich war geplant, dass das neue Unternehmen den Produktionskomplex Borouge 4 Ende 2026 für rund 7,5 Milliarden Dollar von OMV und Adnoc kauft. Diese Übernahme ist nun auf 2029 verschoben worden. Stattdessen gibt es eine Nutzungsvereinbarung, bei der das Gemeinschaftsunternehmen die Anlage gegen eine Gebühr betreibt.

Zudem wird der Zeitplan für die Kapitalmarktpläne gestreckt. Die Notierung der neuen Borouge Group an der Börse in Abu Dhabi war ursprünglich als unmittelbarer Schritt nach dem Abschluss der Fusion vorgesehen. Nun sind das Aktientauschangebot und die Kapitalerhöhung erst für 2027 geplant und stehen unter dem Vorbehalt der Marktbedingungen. Bis dahin bleibt das Gemeinschaftsunternehmen im Besitz der beiden Mütter. Im Vordergrund dürfte nun der Erhalt starker Kreditratings anstelle einer schnellen Expansion stehen. Der Fusionskonzern soll der viertgrößte Polyolefin-Produzent der Welt mit einer Kapazität von 13,6 Millionen Tonnen werden.

(Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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