Nachricht


20.03.2026 /19:25:00
Bundesbankchef: EZB muss sehr wachsam sein - "Können bei Bedarf schnell reagieren"

Berlin, 20. Mrz (Reuters) - Angesichts der vom Iran-Krieg ausgehenden Inflationsgefahr muss die EZB laut Bundesbankchef Joachim Nagel sehr wachsam sein. "Wir können bei Bedarf schnell reagieren", sagte das EZB-Ratsmitglied am Freitagabend in Goslar. Die Geldpolitik sei dafür gerüstet und gewappnet. Da sich die mittelfristigen Folgen für die Inflation noch nicht verlässlich einschätzen ließen, sei eine abwartende Haltung allerdings angemessen. "Die Geldpolitik kann einen kurzfristigen Anstieg der Inflation infolge eines Energiepreisschocks nicht verhindern", betonte Nagel laut Redetext.

Sie müsse aber handeln, wenn sich Zweitrundeneffekte abzeichneten und die längerfristigen Inflationserwartungen über das Inflationsziel von zwei Prozent stiegen: "Denn dann droht sich die hohe Inflation zu verfestigen." Wenn zeitweise höhere Preise zu steigenden Löhnen und dann zu Preiserhöhungen von Unternehmen führten, könnten diese Zweitrundeneffekte die Inflationsrate über längere Zeit hochhalten. Der EZB-Stab habe seine Inflationsprognose für dieses Jahr zwar deutlich nach oben revidiert. In der mittleren Frist gehe die Vorausschätzung im Basisszenario jedoch weiterhin von Preisstabilität aus, erläuterte Nagel.

Reuters hat von Insidern erfahren, dass im Zuge heraufziehender Inflationsgefahr infolge des Nahost-Krieges im EZB-Rat eine baldige Zinserhöhung ins Auge gefasst wird. Falls sich die Lage nicht bald entspanne, müsse das Thema auf der Sitzung Ende April auf den Tisch, hieß es. Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Leitzins am Donnerstag bei 2,0 Prozent. Zugleich zeigte er sich wegen des Ölpreisschocks alarmiert: Durch höhere Energiepreise werde sich der Iran-Krieg auf kurze Frist "erheblich" auf die Inflation auswirken.

(Bericht von Reinhard Becker. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.