| * Ministerium und Branchenvertreter einigen auf 22 | ||
| Maßnahmen | ||
| * | Finanzierung spielte dabei keine Rolle | |
| * | Verkehrsknotenpunkte in Großstädten sollen entlastet | |
| werden | ||
| * | Pläne: Joker-Gleise, mehr Pufferzeiten, Hilfe beim | |
| Einstieg | ||
| * | Güterbahnen befürchten Rückverlagerung auf LKWs | |
| (neu: | weitere Reaktionen) | |
| Berlin, 20. Mrz (Reuters) - Bundesverkehrsminister | ||
| Patrick Schnieder will die Deutsche Bahn mit einem | ||
| Maßnahmenbündel zuverlässiger und pünktlicher machen. Eine | ||
| Taskforce seines Ministeriums habe sich zusammen mit der Branche | ||
| auf 22 konkrete Maßnahmen verständigt, sagte der CDU-Politiker | ||
| am Freitag in Berlin. Sie sollten das System kurzfristig | ||
| stabilisieren. Weil viele Verspätungen rund um die wichtigsten | ||
| Verkehrsknoten entstehen, sollen diese entlastet werden. Das | ||
| dürfte auf ein geringeres Angebot hinauslaufen. Konkrete | ||
| Schätzungen dazu gab es bei der Vorstellung der Pläne aber | ||
| nicht. | ||
Beispielsweise sollen sogenannte Joker-Gleise freigehalten werden, um kurzfristig auf Änderungen reagieren zu können und Wartezeiten vor Einfahrten in den Bahnhof zu vermeiden. Als hilfreich gilt ein größerer zeitlicher Abstand zwischen zwei Zügen. Ab 2027 soll die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO auf ausgewählten Strecken eine verbindliche Pufferzeit einführen. So sollen weniger Verspätungen beim Ein- und Aussteigen entstehen. Ferner soll mehr Personal helfen, damit das Einsteigen schneller über die Bühne geht. Außerdem soll die Kommunikation digitaler werden. Bei Signal- oder Technikstörungen darf die Fahrt bisher nicht eigenständig fortgesetzt werden, nötig ist ein meist telefonisch übermittelter Befehl. Dieser soll durch einen digitalen Befehl ersetzt werden, was Zeit spart.
Bahn-Infrastrukturchef Philipp Nagl sagte, es gebe nicht überall Verstopfungen im Schienennetz, wohl aber an Knoten wie München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg oder Berlin. Auf die Frage, ob das Konzept am Ende zu einem ausgedünnten Angebot führen wird, sagte er, es werde nicht signifikant weniger Züge geben. Die Maßnahmen seien ein wesentlicher Beitrag, um die Pünktlichkeitsziele der Bahn zu erreichen.
Schnieder strebt im Fernverkehr bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 70 Prozent an. Mittelfristig sollen es dann 80 Prozent sein, langfristig 90 Prozent. Damit wäre die Deutsche Bahn dann auf Augenhöhe etwa mit dem Zugverkehr in Österreich oder den Niederlanden. Im Nahverkehr soll die Pünktlichkeit dauerhaft bei 90 Prozent liegen. Aktuell sind nicht einmal 60 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich, im Nahverkehr sind es knapp 90 Prozent.
Deutliche Kritik kam vom Verband der Güterbahnen. "Der Bericht enthält zahlreiche sinnvolle Maßnahmen, aber sie entfalten zu wenig Durchschlagskraft", so Güterbahnen-Experte Peter Westenberger. Man sei lange in dem Glauben gelassen worden, die Herausnahme von Zügen in sieben großen Städten werde auf den Personenverkehr beschränkt bleiben. Erst am Ende habe Nagl auf Nachfrage eine Einbeziehung der Güterzüge bestätigt. Dies könnte dazu führen, dass wieder mehr Waren per LKW transportiert würden. "Die Knoten Köln und Mannheim liegen beispielsweise auf der wichtigsten industriellen Achse des Kontinents und der Hamburger Hafen ist für die Industrie bis weit nach Südosteuropa das Tor zur Welt." Die Cargo-Anbieter müssten sich nach der Nachfrage ausrichten.
Die Eisenbahngewerkschaft EVG sprach von 22 Blaulicht-Maßnahmen, die aber keine historische Dimension hätten. "Historisch wäre es, wenn man sich endlich zu einer überjährigen und langfristigen Finanzierung der Schiene durchringen würde. Das muss kommen und zwar nicht erst irgendwann." Hier sei Schnieder in der Pflicht. Finanzfragen hatte die Taskforce, die aus 35 Mitgliedern bestand und seit November getagt hat, ausgeklammert.
Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) betonte, wichtig sei die geplante Digitalisierung der Zugsteuerung. Im ersten Schritt würden bis zu vier digitale Steuerungszentralen bis 2027 modernisiert. "Gleichzeitig werden wir innovative Bauverfahren erproben, um das Umsetzungstempo zu erhöhen", so VDB-Hauptgeschäftsführerin Sarah Stark.
(Bericht von Christian Krämer. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)