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21.03.2026 /15:16:21
TOP-THEMA-Trump spricht von Überlegungen zum "Herunterfahren" des Iran-Einsatzes

(neu durchgeschrieben)
 
*Trumps: Stehen kurz davor, unsere Ziele zu erreichen
 
*"Erwägen militärische Bemühungen zurückzufahren"
 
*Trump nennt fünf US-Ziele für den Iran-Krieg
 
*Neue Angriffe von Iran und Israel
 
- von Jana Choukeir und Idrees Ali und Phil Stewart
Dubai/Washington, 21. Mrz (Reuters) - US-Präsident
Donald Trump erwägt nach eigenen Angaben ein Herunterfahren des
Militäreinsatzes gegen den Iran. "Wir stehen kurz davor, unsere
Ziele zu erreichen, während wir darüber nachdenken, unsere
umfangreichen militärischen Bemühungen im Nahen Osten in Bezug
auf das terroristische Regime im Iran zurückzufahren", schrieb
Trump in der Nacht zum Samstag auf seiner Plattform Truth
Social. Zugleich nannte er fünf Punkte, die er mit
US-Kriegszielen in Zusammenhang brachte - darunter die
Ausschaltung der militärischen Fähigkeiten des Iran und dessen
Möglichkeit, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen. Einen
Regierungsumsturz als Kriegsziel nannte er nicht. Trump forderte
aber, die für die weltweite Energieversorgung wichtige Straße
von Hormus müsse von anderen Nationen bewacht und kontrolliert
werden: "Die Vereinigten Staaten tun dies nicht!" Der Iran und
Israel setzten ihre Angriffe fort. Dabei wurde iranischen Medien
zufolge auch die Urananreicherungsanlage Natanz angegriffen.

Trump äußerte sich nicht eingehender dazu, was mit einem "Zurückfahren" des Einsatzes gemeint sein könnte. Er und seine Regierung haben sich während des Krieges, der in die vierte Woche geht, wiederholt widersprüchlich etwa zum Fortschritt oder etwaigen Kriegszielen geäußert.

Trump hat Nato-Verbündete wiederholt scharf dafür kritisiert, dass sie seinem Ruf nach Hilfe nicht gefolgt seien. Diese Forderung hatte Trump erst während des laufenden Kriegs geäußert. Zuvor allerdings hatte Trump auch Hilfsangebote mit unfreundlichen Worten abgelehnt. "Wir brauchen keine Leute, die sich erst dann an Kriegen beteiligen, wenn wir sie bereits gewonnen haben!", hatte er zum Beispiel rund eine Woche nach Kriegsausbruch mit Blick auf Großbritannien erklärt. Am Freitag hatte Trump Nato-Länder als "Feiglinge" bezeichnet, weil sie ihm nicht helfen würden, die Straße von Hormus zu sichern. Die traditionellen Verbündeten hatten ihre Zurückhaltung zum Teil damit erklärt, dass sie im Vorfeld nicht eingebunden worden seien und über Kriegsziele im Unklaren gelassen würden.

Wie Trumps Worte, ein Zurückfahren des Einsatzes zu erwägen, mit Meldungen zusammenpasst, tausende weitere US-Soldaten in die Region zu bringen, blieb zunächst offen. US-Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag gesagt, das US-Militär verlege 2500 zusätzliche Marineinfanteristen und Seeleute in den Nahen Osten. Welche Rolle diese übernehmen sollen, blieb offen. Auch zusätzliche Kriegsschiffe sollen in die Region kommen. Eine Entscheidung über den Einsatz von Bodentruppen im Iran sei noch nicht gefallen, hieß es am Freitag zudem.

Ob Trump, der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, bei dem gemeinsam mit Israel durchgeführten Angriffen auf den Iran wie geplant vorankommt oder nicht, ist nicht unabhängig feststellbar. Während Trump schon vor Tagen davon sprach, die USA hätten "gewonnen" und könnten "einfach nur zum Spaß" noch weitere Angriffe auf die iranische Insel Charg fliegen, hatten Kritiker gesagt, die USA hätten Irans Widerstand und dessen Fähigkeit unterschätzt, die Straße von Hormus weitgehend zu blockieren. Die Blockade hat zu einem drastischen Anstieg der Energiepreise weltweit geführt, die auch in den USA zu spüren sind und viele von Trumps Wählern verärgern dürften.

Zu den Kriegszielen der USA schrieb Trump auf Truth Social, man wolle die iranischen Raketenkapazitäten, Abschussrampen "und alles, was damit zusammenhängt, vollständig schwächen". Zudem solle Irans Rüstungsindustrie zerstört werden. Marine, Luftwaffe und Flugabwehr müssten ausgeschaltet werden. Auch dürfe der Iran niemals auch nur annähernd an nukleare Fähigkeiten herankommen. Die USA müssten stets in der Lage zu sein, schnell und entschlossen auf eine solche Situation reagieren können, sofern sie eintrete. Als fünften Punkt nannte Trump, dass "unsere Verbündeten im Nahen Osten, darunter Israel, Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait und andere, auf höchstem Niveau geschützt" würden.

Israel hat auch den Sturz der iranischen Regierung als Kriegsziel benannt. Verteidigungsminister Israel Katz sagte am Wochenende zudem, Israel sei entschlossen, "den Angriff gegen das iranische Terrorregime fortzusetzen, dessen Kommandeure zu enthaupten und dessen strategische Fähigkeiten zu zerschlagen, bis alle Sicherheitsbedrohungen für Israel und die Interessen der USA in der Region beseitigt sind".

Zur Straße von Hormus schrieb Trump, diese müsse "bei Bedarf von anderen Nationen, die sie nutzen, bewacht und kontrolliert werden". Die USA würden das nicht tun. "Auf Anfrage" würden die USA den Ländern dabei helfen. "Wichtig ist, dass es für sie eine einfache militärische Operation sein wird."

Bei den Kämpfen am Samstag griffen die USA und Israel nach iranischen Angaben den Atom-Komplex Natanz an. Experten hätten aber keine radioaktiven Lecks festgestellt, eine Gefahr für Anwohner bestehe nicht. Israel erklärte, von einem solchen Angriff nichts zu wissen. Israels Militär meldete aber Schläge gegen Ziele in Teheran, Karadsch und Isfahan. In der Stadt Ramsar seien bei einem Angriff auf ein Wohnhaus drei Menschen getötet worden, hieß es in iranischen Medien. Seit Beginn der Angriffe am 28. Februar starben im Iran mehr als 2000 Menschen. Israel griff auch die libanesische Hauptstadt Beirut an. Bei den israelischen Angriffen im Libanon wurden bislang mehr als 1000 Menschen getötet und über eine Million vertrieben.

Der Iran wiederum feuerte dem "Wall Street Journal" zufolge zwei Raketen auf den US-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean, verfehlte diesen aber. In Israel gab es Luftalarm wegen anfliegender Raketen, Millionen Menschen suchten Schutzräume auf. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Auch auf israelischer Seite gibt es seit Kriegsausbruch Tote durch iranischen Beschuss.

(Bericht von Phil Stewart und Idrees Ali in Washington, Andrew Mills in Doha, and Timour Azhari in Riad, geschrieben von Myria Mildenberger; Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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