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22.03.2026 /15:42:33
TOP-THEMA-Nach Trump-Ultimatum droht weitere Eskalation im Iran-Krieg

(Durchgehend neu)
 
*US-Präsident gibt Iran 48 Stunden für Öffnung Straße
von Hormus
 
*Trump droht Iran mit Zerstörung von Kraftwerken
 
*Iran: Vergeltungsschläge gegen die US-Infrastruktur in
Region
 
*Finanzmarkt-Experte warnt vor "Schwarzem Montag"
 
*Zahlreiche Verletzte in israelischen Städten nach
Beschuss
 
*Israel planiert Siedlungen im Südlibanon
 
-von Maayan Lubell und Alexander Cornwell und Idrees Ali
Tel Aviv/Jerusalem/Washington, 22. Mrz (Reuters) - Im
Iran-Krieg droht eine nochmalige Eskalation, die zu einer
Ausweitung der Krise an den globalen Energie- und Finanzmärkten
führen könnte. US-Präsident Donald Trump setzte dem Iran am
Sonntag eine Frist von 48 Stunden, die für die globale
Energieversorgung wichtige Straße von Hormus wieder freizugeben.
Ansonsten würden die USA etwa Kraftwerke im Iran zerstören. Der
Iran erklärte daraufhin, dann sämtliche US-Energieanlagen in der
Golfregion ins Visier zu nehmen. Auch solche in Ländern mit
US-Stützpunkten seien legitime Ziele, hieß es. Unterdessen griff
Israel erneut Ziele in Teheran an. In Israel wiederum schlugen
in mehreren Orten iranische Raketen ein, es gab zahlreihe
Verletzte und die Frage, warum die Raketen nich abgewehrt
wurden. Israel erklärte zudem, die Zerstörung von Häusern in
besetzten libanesischen Grenzdörfern zu beschleunigen.

Am Samstagabend (US-Ortszeit) hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social geschrieben: "Wenn der Iran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden ab genau diesem Zeitpunkt vollständig und ohne Bedrohung öffnet, werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihre diversen Kraftwerke angreifen und vernichten, angefangen beim größten!". Wie ernst es Trump damit ist, ist offen. In der Vergangenheit hatte er Ultimaten machmal auch verlängert, verkürzt oder aufgehoben.

Während sich etwa Großbritannien und Verteidigungsminister Boris Pistorius nicht zu dem Ultimatum äußern wollten, reagierte der Iran prompt: Das iranische Militär teilte mit, im Falle eines US-Angriffs sämtliche US-Anlagen zur Energie- und Wasserversorgung sowie Informationstechnologie in der Region ins Visier zu nehmen.

Im Streit um die Straße von Hormus hatte der Vertreter des Iran bei der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), Ali Mussawi, der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Mehr zufolge vor dem Ultimatum gesagt, die Meerenge bleibe für alle Schiffe geöffnet - mit Ausnahme jener, die mit "Feinden des Iran" in Verbindung stünden. Die deutsche und japanische Regierung betonten am Sonntag erneut, dass sie bei einer Sicherung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus erst nach einem Waffenstillstand mithelfen würden.

Trump hatte in den vergangenen Tagen völlig unterschiedliche Signale ausgesandt, die auch zu deutlichen Ausschlägen an den Aktienmärkten führten. So wechselte er zwischen Andeutungen, dass der Krieg bald beendet sein könnte, er die Angriffe Herunterfahren könnte und Eskalations-Drohungen. Weitere US-Einheiten wurden in die Region verlegt. Sowohl die Europäer als auch die Golfstaaten pochen auf ein möglichst schnelles Ende der Kämpfe. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erörterte am Sonntag mit seinen Amtskollegen aus dem Iran und Ägypten sowie Vertretern der USA und der EU Schritte zur Beendigung des Krieges zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und Israel, wie eine türkische diplomatische Quelle mitteilte.

Durch die Angriffe der USA und Israels auf Iran und die Gegenschläge des Mullah-Regimes sind die Warenströme aus der Golfregion unterbrochen. Während die angreifenden Länder USA und Israel selbst Gasexporteure sind und die USA daneben noch größter Ölproduzent der Welt, sind vor allem die asiatischen Volkswirtschaften auf Rohstoffe aus Iran und den Golfstaaten angewiesen. Bei einem länger andauernden Krieg drohen nicht nur weitere Preissteigerungen, sondern der Abbruch von Lieferketten für Produkte, die auf der Öl- und Gasverarbeitung aufbauen.

An den Finanzmärkten wächst deshalb die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen. Trumps Drohung sei eine "tickende Zeitbombe", sagte Marktanalyst Tony Sycamore vom Broker IG. Werde das Ultimatum nicht zurückgenommen, drohe ein "Schwarzer Montag" mit Kursabstürzen an den Aktienmärkten und nochmals massiv steigenden Ölpreisen. Bereits am Freitag hatten die Ölpreise den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht.

SCHWERE AUSWIRKUNGEN DURCH ANGRIFFE AUF INFRASTRUKTUR

Angriffe auf die zivile Infrastruktur könnten zudem gravierende Folgen für die Zivilbevölkerung in der Golfregion haben: Attacken auf die größten Kraftwerke des Iran könnten weitreichende Stromausfälle auslösen und den stark vernetzten Energiesektor lahmlegen - von Pumpen und Raffinerien bis hin zu Exportterminals. Gegenangriffe des Iran könnten die Energie- und Wasserversorgung der Golfstaaten treffen. Entsalzungsanlagen sind aber zentral für die Versorgung der Millionen Menschen in der Region.

ISRAEL: IRAN HAT LANGSTRECKENRAKETEN ABGEFEUERT

Auch die gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und dem Iran gingen weiter. Iranische Raketen trafen am späten Samstagabend die südisraelischen Städte Dimona und Arad, wobei Dutzende Menschen verletzt wurden. Etwa 13 Kilometer von Dimona entfernt befindet sich ein israelischer Atomreaktor. Die israelischen Abwehrsysteme seien zwar ausgelöst worden, hätten die Raketen jedoch nicht stoppen können, erklärte der israelische Militärsprecher Effie Defrin auf der Plattform X. In den ersten Tagen des Krieges hatte das iranische Militär auch zentrale US-Radaranlagen in der Region zerstört, die für die Früherkennung von Raketenabschüssen zentral sind.

Israel bestätigte zudem, dass der Iran zwei ballistische Raketen mit einer Reichweite von 4000 Kilometern auf den amerikanisch-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean abgefeuert hatte. "Ihre Reichweite reicht bis zu europäischen Hauptstädten - Berlin, Paris und Rom liegen alle in direkter Bedrohungsreichweite", sagte der israelische Militärchef Ejal Samir.

Laut einer neuen Reuters/Ipsos-Umfrage aus der vergangenen Woche lehnen 59 Prozent der Amerikaner die US-Militärschläge gegen den Iran ab, während 37 Prozent sie befürworten.

(Bericht von Phil Stewart und Idrees Ali in Washington, Andrew Mills in Doha, Timour Azhari in Riad, Maayan Lubell in Jerusalem und Alexander Cornwell in Tel Aviv. Gschrieben von Andreas Rinke und Myria Mildenberger. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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