Neu-Delhi/Singapur, 23. Mrz (Reuters) - Die Ölpreise gehen zum Wochenstart auf Achterbahnfahrt. Gründe dafür sind die gegenseitigen Drohungen der USA und des Iran einerseits und die Freigabe von iranischem Öl nach einer vorübergehenden Lockerung von US-Sanktionen andererseits. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuert sich in der Spitze um 1,9 Prozent auf bis zu 114,35 Dollar, nachdem der Preis zuvor um knapp zwei Prozent nachgegeben hat. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI <CLc1> steigt in der Spitze um mehr als drei Prozent auf 101,50 Dollar, nach einem Rückgang von zunächst 1,5 Prozent. Der Abstand zwischen Brent und WTI ist mit mehr als 13 Dollar so groß wie seit Jahren nicht mehr.
"Die Stimmung am Ölmarkt mag kurzfristig durch Drohungen und Rhetorik schwanken, aber ihre nachhaltigere Richtung wird weiterhin vom Zustand der Ölströme im Nahen Osten bestimmt werden", sagte Vandana Hari vom Analysehaus Vanda Insights. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende damit gedroht, die Kraftwerke des Iran zu "zerstören", sollte das Land nicht binnen 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffnen. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb daraufhin auf der Plattform X, dass wichtige Infrastruktur- und Energieanlagen im Nahen Osten "unumkehrbar zerstört" werden könnten, sollten iranische Kraftwerke angegriffen werden.
"Das bedeutet eindeutig eine weitere Eskalation, was höhere Ölpreise bedeutet", sagte Amrita Sen, Gründerin von Energy Aspects. "Trump versucht zu zeigen, dass er weiter eskalieren kann, und dieser Weg endet in verbrannter Erde für die Infrastruktur am Golf."
Die Krise im Nahen Osten sei "sehr ernst" und schlimmer als die beiden Ölschocks der 1970er Jahre zusammen, sagte der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, am Montag.
Für Preisdruck sorgte hingegen die Entscheidung der US-Regierung, die Sanktionen für iranisches Öl, das sich bereits auf See befindet, vorübergehend aufzuheben. Indische Raffinerien planen daraufhin, wieder iranisches Öl zu kaufen. Der Krieg hat bereits wichtige Energieanlagen am Golf beschädigt und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs abgewickelt werden, fast zum Erliegen gebracht.
(Bericht von Mohi Narayan, Florence Tan, geschrieben von Stefanie Geiger, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)