| * Auktionen sollen in diesem Jahr 512 Milliarden Euro | ||
| bringen | ||
| * | "Der Bund wird in diesem Umfeld weiter | |
| geeradeausfahren" | ||
| * | ZEW: Staat steuert auf Zinskosten bis 150 Milliarden | |
| Euro zu | ||
| (neu: | Finanzagentur-Chef, Experten) | |
| Berlin, 23. Mrz (Reuters) - Der Bund hält trotz | ||
| steigender Zinskosten infolge des Iran-Kriegs an der geplanten | ||
| Rekordschuldenaufnahme für das laufende Jahr fest. Im | ||
| anstehenden zweiten Quartal sollen 115,5 Milliarden Euro durch | ||
| den Verkauf von Bundeswertpapieren an Investoren in die | ||
| Staatskassen gespült werden, wie die mit dem Schuldenmanagement | ||
| betraute Finanzagentur am Montag mitteilte. Wegen | ||
| schuldenfinanzierter Investitionen in Infrastruktur und | ||
| Verteidigung will sich der Bund damit in diesem Jahr, wie im | ||
| Dezember verkündet, die Rekordsumme von 512 Milliarden Euro | ||
| durch Auktionen am Finanzmarkt leihen. Hinzu kommen weitere | ||
| Milliarden durch vier Syndikate, bei denen Banken mit dem | ||
| Verkauf von Wertpapieren an Investoren betraut werden. "Der Bund | ||
| wird in diesem Umfeld weiter geradeausfahren", sagte | ||
| Finanzagentur-Geschäftsführer Tammo Diemer. "Das heißt: Unsere | ||
| Planung ist weiter unverändert." | ||
Der Ausverkauf bei Staatsanleihen infolge des Iran-Kriegs hat die Renditen in den vergangenen Wochen in die Höhe getrieben. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe <DE10YT=RR> stieg am Freitag bis auf 3,038 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2011. Vor Kriegsausbruch waren es etwa 2,7 Prozent. "Der bisherige Renditeanstieg für Bundesanleihen ist kurzfristig gut verkraftbar", sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) der Nachrichtenagentur Reuters. "Rechnerisch belastet dieser Anstieg den Bund auf Jahresfrist mit überschaubaren 1,5 Milliarden Euro." Auch nach den Worten von Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) treibt die Reaktion der Anleihemärkte auf den Iran-Krieg ? wachsende Inflationssorgen, Spekulation auf EZB-Zinsanhebungen ? die staatlichen Finanzierungskosten nach oben. "Die finalen Auswirkungen lassen sich in dieser frühen Phase nach dem Schock noch schwer abschätzen", sagte der Experte. Hielten die ersten Effekte an oder bauten sich diese infolge anhaltender Disruption in den Lieferketten weiter auf, dürften sich die ohnehin schon bestehenden Nöte der Regierung in der Haushaltsplanung vergrößern.
"Dennoch ist der Anstieg der Renditen brisant", warnte ZEW-Finanzexperte Heinemann. Früher hätten Bundesanleihen als sicherer Hafen gegolten und bei Kriegen eher von Kursgewinnen profitiert, sodass die Renditen fielen. "Dies gilt nicht länger", sagte Heinemann. Euro-Staatsanleihen würden heute bei geopolitischen Krisen eher mit wachsenden Risikoprämien belegt, was einen starken Reputationsverlust belege. "Auf Dauer könnten die Kosten daher sehr viel höher sein", warnte der Experte angesichts von etwa drei Billionen Euro Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden.
Diese dürfte in den kommenden Jahren durch das Sondervermögen und die schuldenfinanzierten Verteidigungsausgaben in Richtung vier Billionen klettern. Länder und Gemeinden müssten noch höhere Zinsen als der Bund zahlen. "Deutschland steuert daher bei den Zinskosten aller Ebenen auf Beträge von 120 bis 150 Milliarden Euro pro Jahr zu", sagte Heinemann. "Früher konnte Deutschland aus seinen Schulden herauswachsen, so ein Szenario wird immer unrealistischer."
| (Bericht von Rene Wagner, redigiert von Klaus Lauer | - Bei |
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