Nachricht


23.03.2026 /12:29:30
TOP-THEMA-Klingbeil und Bas wollen an SPD-Spitze bleiben und Reformen vorantreiben

*Klingbeil: Zweitgrößte Regierungspartei nicht ins Chaos
stürzen
 
*Einkommenssteuer-Reform soll schnell kommen
 
*Harte Debatten mit Union erwartet

(Neu: mehr aus Pressekonferenz mit Klingbeil und Bas, Hintergrund)

- von Markus Wacket
Berlin, 23. Mrz (Reuters) - SPD-Chef Lars Klingbeil und
seine Co-Vorsitzende Bärbel Bas wollen trotz der Wahlschlappe in
Rheinland-Pfalz ihre Ämter weiterführen. "Wir werden die
zweitgrößte Regierungspartei nicht ins Chaos stürzen", sagte
Parteichef Lars Klingbeil am Montag nach einer Sitzung des
Parteipräsidiums in Berlin. Das gesamte Präsidium sei sich einig
gewesen, jetzt über Inhalte und Strategie zu reden. Der Fokus
müsse auf Reformen für das Land liegen, insbesondere auf einer
Entlastung der Bürger durch eine Einkommensteuerreform, nicht
auf das Austauschen von Köpfen. Bas machte deutlich, man müsse
auf die Niederlagen reagieren. "Wir erwarten aber auch, dass die
SPD sich jetzt nicht in Selbstzerfleischung ergeht." Lange
Personaldebatten führten in dieser Situation nicht weiter.

Am Freitag will die SPD aber die Parteispitze, die SPD-Ministerpräsidenten und die Kommunalpolitiker noch einmal für eine breite Debatte zusammenrufen. Bei der Landtagswahl hatte die SPD in Rheinland-Pfalz herbe Verluste erlitten. Der dortige Spitzenkandidat Alexander Schweitzer nahm an der Pressekonferenz in Berlin entgegen ersten Planungen nicht teil. Er hatte am Sonntagabend die Bundespartei für die Niederlage verantwortlich gemacht. Klingbeil selbst hatte am Wahlabend noch erklärt, er erwarte eine Personaldebatte und "drücke sich nicht weg". Er hatte damit Spekulationen über einen möglichen Wechsel an der Parteispitze ausgelöst. Als mögliche Nachfolger gehandelte Politiker, Verteidigungsminister Boris Pistorius und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, hatten jedoch umgehend deutlich gemacht, nicht zur Verfügung zu stehen.

BAS UND KLINGBEIL: IN WIRTSCHAFTSKRISE NACH VORN GUCKEN

Man müsse nun nach vorne blicken, machten Bas und Klingbeil in ihrer gemeinsamen Pressekonferenz klar. Die SPD werde davon profitieren, "wenn wir klare Sprache sprechen, wenn wir genau sagen, wo wir hingehen und wenn wir schnell sind", sagte Klingbeil. Er verwies auf Regierungskommissionen, die ihre Ergebnisse liefern würden. Bas forderte eine "gemeinsame Aktion" mit der Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.

Klingbeil sprach von "Herkulesaufgaben". Er warnte vor den wirtschaftlichen Risiken. "Wir können in eine dramatische Lage reinschlittern, die selbst diesen wirtschaftlichen Aufschwung, den wir gerade leicht sehen konnten, gefährdet." Tausende Industriearbeitsplätze seien bedroht, zudem müsse der Sozialstaat modernisiert werden.

Klingbeil kündigte harte Debatten mit der Union über die Reformen an: Deren Vorstellung, die Menschen seien faul und sollten mehr arbeiten, sei nicht der Weg der Sozialdemokraten. Wer glaube, durch weniger Sozialstaat mehr Wirtschaftswachstum zu erzielen, verfolge Konzepte aus den 90er Jahren.

(Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.