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23.03.2026 /12:31:24
Reederverband schlägt wegen Krisen Seedienst in Handelsschifffahrt vor

Berlin, 23. Mrz (Reuters) - Im Rahmen des neuen Wehrdienstes soll es nach dem Willen von Deutschlands Reedereien als zivile Option auch einen Seedienst in der Handelsschifffahrt geben. "Deutschland verfügt mit seiner Handelsflotte über einen strategischen Schatz", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger, laut Mitteilung am Montag in Hamburg. Die Handelsflotte sichere die Versorgung von Wirtschaft sowie Bevölkerung und ermögliche im Bedarfsfall auch Militärtransporte. Um die Einsatzfähigkeit der Flotte zu stärken, brauche es eine größere Personalbasis. "In einer echten Krisenlage dürfen wir nicht überrascht dastehen, sondern müssen vorbereitet sein."

Ziel des vom VDR vorgeschlagenen Seedienstes sei auch der Aufbau einer zivilen maritimen Reserve, so Kröger. Diese Reservisten sollten nach der Dienstzeit im Ernstfall zur Aufrechterhaltung der Versorgung über See beitragen können. Sollte es künftig wieder zu einer Wehrpflicht kommen, könnte nach den Vorstellungen des VDR ein Seedienst auch als zivile Alternative geleistet werden. Zugleich sollten aktive Seeleute wegen ihrer Unabkömmlichkeit von einem Wehrdienst zurückgestellt werden, wie es bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 die Regel war. Über akuten Nachwuchsmangel beklagt sich der VDR indes nicht: Seit 2023 sei die Zahl der Neueinsteiger auf See um knapp 30 Prozent auf 537 gestiegen - den höchsten Wert seit 2012.

VDR-Präsidentin Gaby Bornheim verwies auf die weiter zunehmenden Risiken für die Handelsschifffahrt auf verschiedenen Handelsrouten weltweit - neben Nahost und dem Schwarzen Meer auch auf der Ostsee. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar säßen im Persischen Golf mindestens 50 Schiffe von zehn deutschen Reedereien mit etwa 1000 Seeleuten an Bord fest, betonte die Verbandschefin bei der Jahrespressekonferenz. Hauptgeschäftsführer Kröger unterstrich, der Schutz der Schifffahrt habe einen hohen Stellenwert. Er räumte aber zugleich ein, dass die Bundesregierung in der aktuellen Lage "verständlicherweise sehr sorgfältig mögliche Maßnahmen" abwäge.

Laut VDR ist Deutschlands Handelsflotte mit derzeit gut 1700 Schiffen und einer Bruttoraumzahl (BRZ) von knapp 47 Millionen die siebtgrößte der Welt. Vor ihr liegen die Flotten unter anderem Griechenlands und Chinas. Die BRZ ist ein Maß für die Größe von Schiffen. Die deutsche Containerschifffahrt verdrängte mit 30,4 Millionen BRZ laut VDR die chinesische Handelsflotte von Platz zwei. Nur die Schweiz hat mit gut 41 Millionen BRZ mehr als Deutschland. Die weltgrößte Containerreederei MSC hat ihren Sitz in Genf. Deutschlands Marktführer Hapag-Lloyd <HLAG.DE> ist international die Nummer fünf.

(Bericht von Elke Ahlswede, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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