Nachricht


23.03.2026 /13:46:35
Ungarns Regierungschef Orban ordnet Untersuchung zu mutmaßlicher Abhöraffäre an

Budapest, 23. Mrz (Reuters) - Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat eine Untersuchung zum mutmaßlichen Abhören seines Außenministers Peter Szijjarto angeordnet. Es gebe Beweise für die Überwachung sowie Hinweise auf die möglichen Urheber, erklärte Orban am Montag auf der Kurznachrichtenplattform X. "Das muss umgehend untersucht werden." Vorausgegangen war ein Bericht der Zeitung "Washington Post" vom Samstag. Demnach soll Szijjarto über Jahre hinweg in den Pausen von EU-Treffen seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow angerufen und ihn über die internen Beratungen informiert haben. Das Blatt berief sich dabei auf einen europäischen Sicherheitsbeamten. Szijjarto wies den Bericht am Sonntag als Falschmeldung zurück. Eine Stellungnahme der ungarischen Regierung lag zunächst nicht vor.

Am Montag veröffentlichte das konservative ungarische Nachrichtenportal Mandiner zudem einen Bericht samt Tonaufnahme. Darin ist der Investigativjournalist Szabolcs Panyi zu hören, der einer weiteren Person sagt, dass er zwei Telefonnummern Szijjartos an "eine staatliche Stelle eines EU-Landes" weitergibt. Panyi bestätigte das Gespräch auf Facebook. Er habe die Nummern mit Informationen eines europäischen Geheimdienstes abgeglichen, um für einen Artikel über Szijjartos Informationsweitergabe an Russland zu recherchieren. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Panyi, die Regierung setze Geheimdienstmethoden ein, um die Kommunikation von Quellen aufzudecken, wenn er zu einem für die Behörden "unangenehmen Thema" recherchiere. Szijjarto nannte den Mandiner-Bericht schockierend. "Es ist erstaunlich, dass ein oder mehrere ausländische Geheimdienste mich mit aktiver Unterstützung eines ungarischen Journalisten abgehört haben", sagte der Außenminister in einem Facebook-Video.

Die Affäre trifft die Regierung Orban kurz vor der Parlamentswahl am 12. April. Der seit 2010 amtierende Ministerpräsident steht vor seiner schwersten Wahl, da die Mitte-Rechts-Oppositionspartei Tisza in den meisten Umfragen deutlich führt. Orban pflegt trotz des Krieges in der Ukraine enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ungarn ist weiterhin stark von russischem Öl und Gas abhängig. Erst vergangene Woche hatte Orban die Umsetzung eines EU-Kredits für die Ukraine blockiert und dies mit einem Streit über eine beschädigte Ölpipeline begründet. Auch Szijjarto reist seit Kriegsbeginn 2022 regelmäßig nach Moskau und traf Putin zuletzt am 4. März.

(Bericht von Krisztina Than, geschrieben von Philipp Krach, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.