| * Israel startet neue Angriffswelle auf Teheran |
| * IEA-Chef: Ölkrise gravierender als Schocks in den |
| 1970er-Jahren |
| (neu: Reaktion des Iran, Merz) |
| - von Susan Heavey und Doina Chiacu |
| Washington, 23. Mrz (Reuters) - US-Präsident Donald |
| Trump hat die Aussetzung der Angriffe auf iranische Kraftwerke |
| und die Energieinfrastruktur in Aussicht gestellt. In den beiden |
| vergangenen Tagen habe es gute und produktive Gespräche mit dem |
| Iran gegeben, schrieb Trump am Montag in einem Beitrag auf |
| seiner Plattform Truth Social. "Ich habe das Kriegsministerium |
| angewiesen, sämtliche militärischen Angriffe auf iranische |
| Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von |
| fünf Tagen aufzuschieben, abhängig vom Erfolg der laufenden |
| Treffen und Gespräche", schrieb der Präsident nur Stunden, bevor |
| das von ihm gesetzte Ultimatum zur Freigabe der Straße von |
| Hormus auslief. |
Der Iran widersprach Trump zügig. Laut der Nachrichtenagentur Fars gibt es keinen direkten Kontakt zwischen den beiden Ländern. Auch Unterhändler seien nicht involviert, berichtete Fars unter Berufung auf einen Insider. Trump mache einen Rückzieher, nachdem der Iran mit Angriffen auf israelische Kraftwerke und die Stromversorgung von US-Stützpunkten am Persischen Golf gedroht habe. Auch von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim kam unter Berufung auf Kreise der iranischen Führung eine ähnliche Meldung. Es gebe keine Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA, schrieb Tasnim. Der Iran werde sich weiter verteidigen, in der Straße von Hormus werde es keine Bedingungen wie vor dem Krieg geben und die Energiemärkte blieben in Aufruhr.
Trump erklärte laut dem Sender Fox Business Network am Montag, der Iran sei sehr an einer Einigung interessiert. Diese könnte innerhalb von fünf Tagen oder sogar noch früher zustande kommen. Die jüngsten Gespräche zwischen den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner und ihren Amtskollegen hätten am Sonntagabend stattgefunden, berichtete der Sender.
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die von Trump angekündigte Verschiebung. Er habe am Sonntag mit Trump telefoniert und ihm seine Bedenken bezüglich Angriffen auf iranische Kraftwerke vorgetragen. Ziel sei es, alles zu tun, um so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand in der Region zu kommen. Das sei im Augenblick jedoch schwierig. "Es ist viel Hoffnung dabei", betonte Merz.
Die iranischen Revolutionsgarden hatten auf das von Trump am Wochenende gesetzte Ultimatum reagiert. Sollte Trump seine Drohung wahr machen und das iranische Stromnetz zerstören, werde in gleichem Maße zurückgeschlagen, erklärten die Garden am Montag. "Wenn ihr die Stromversorgung angreift, greifen wir die Stromversorgung an." Von früheren Drohungen gegen Meerwasserentsalzungsanlagen in der Region rückten die Gardenallerdings ab. Trump hatte der Führung in Teheran am Samstag ein Ultimatum gestellt: Sollte die strategisch wichtige Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet werden, würden die USA iranische Kraftwerke vernichten. Die Frist wäre um 00.45 Uhr MEZ in der Nacht zum Dienstag abgelaufen.
Die gegenseitigen Angriffe gingen unterdessen unvermindert weiter. Israel griff nach eigenen Angaben Teheran an. Die Attacken richteten sich auf das Zentrum der iranischen Hauptstadt, teilte das Militär mit. Der Iran feuerte seinerseits in der Nacht zum Montag Raketen auf Israel ab, was unter anderem in Tel Aviv Luftalarm auslöste.
Trumps Ankündigung, die angedrohten Angriffe vorerst auszusetzen, beflügelte die Aktienmärkte und ließ den Ölpreis einbrechen. Der Ölpreis sank kurzzeitig unter 100 Dollar das Barrel, stieg aber wieder leicht an. Die faktische Blockade der Meerenge, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert wird, hat bereits eine schwere Ölkrise ausgelöst. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, stuft sie als sehr gravierend ein. Sie sei schwerer als die beiden Ölschocks in den 1970er-Jahren und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Gasversorgung zusammen, so Birol.
Ein Angriff auf die Stromversorgung hätte für die Golfstaaten katastrophale Folgen, da Länder wie Bahrain und Katar ihren Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus stromintensiven Meerwasserentsalzungsanlagen decken. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind es mehr als 80 Prozent, in Saudi-Arabien 50 Prozent.
Der von den USA und Israel Ende Februar begonnene Krieg hat bislang mehr als 2000 Menschen das Leben gekostet. Er hat die globalen Märkte in Aufruhr versetzt und Sorgen vor einem weltweiten Inflationsschub geschürt.
(bearbeitet von Kerstin Dörr, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)