| * Medien: Gespräch in Islamabad geplant | |
| * | Iran widerspricht Angaben über Verhandlungen mit USA |
| * | Israel startet neue Angriffswelle auf Teheran |
| * | IEA-Chef: Ölkrise gravierender als Schocks in den |
| 1970er-Jahren | |
| (neu: Trump zu Verhandlungen, Irans Widerspruch) | |
| - von Susan Heavey und Doina Chiacu | |
| Washington, 23. Mrz (Reuters) - Die USA und der Iran | |
| machen widersprüchliche Aussagen über mögliche Verhandlungen zur | |
| Beendigung des Kriegs. US-Präsident Donald Trump erklärte zwar | |
| am Montag, der Abschluss eines Abkommens stehe möglicherweise | |
| kurz bevor. Allerdings widersprach der Präsident des Parlaments | |
| der Islamischen Republik umgehend. Es gebe keine Gespräche mit | |
| den USA, schrieb Mohammad Bagher Ghalibaf auf X. Trump verbreite | |
| "Fake News", um die Ölmärkte zu beruhigen. | |
Trump sagte dagegen: "Wir haben sehr, sehr intensive Gespräche geführt. (...) Wir haben Punkte, wesentliche Übereinstimmungen, würde ich sagen, fast in allen Punkten Übereinstimmungen." Sein Nahost-Gesandter Steve Witkoff sowie sein Schwiegersohn Jared Kushner hätten am Sonntag mit Vertretern des Irans gesprochen. Die Gespräche sollten am Montag fortgesetzt werden. "Alles, was ich sage, ist, dass wir kurz vor der realen Möglichkeit stehen, ein Abkommen zu schließen."
Trump lehnte es ab zu sagen, mit wem die USA verhandelten. Das Nachrichtenportal Axios meldete unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter der israelischen Regierung, Witkoff und Kushner würden mit Ghalibaf sprechen. Demnach werde versucht, ein Treffen mit dem iranischen Parlamentspräsidenten, Witkoff, Kushner und dem US-Vizepräsidenten JD Vance in dieser Woche in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zu organisieren. Die "Financial Times" berichtete, Pakistan versuche sich als Vermittler zu positionieren. Demnach soll Pakistans Armeechef Asim Munir deswegen am Sonntag mit Trump telefoniert haben.
Der iranische Parlamentspräsident wies nicht nur Aussagen über angebliche Verhandlungen zurück, er zeigte sich auch unversöhnlich: Das iranische Volk fordere die Bestrafung der Aggressoren. Die Revolutionsgarden bescheinigten Trump ein widersprüchliches Verhalten. Dies werde aber zu keiner Nachlässigkeit an der Front führen. Das Außenministerium in Teheran betonte, an der für die globale Ölversorgung wichtigen Straße von Hormus ändere sich nichts.
Mit seiner Volte hat Trump auch ein dem Iran am Samstag gestelltes Ultimatum verlängert. Er hatte gedroht, iranische Kraftwerke würden zerstört, falls die Regierung in Teheran die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden wieder vollständig für die Schifffahrt freigebe. Das Ultimatum wäre um 00.45 Uhr MEZ in der Nacht zum Dienstag abgelaufen. "Ich habe das Kriegsministerium angewiesen, sämtliche militärischen Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von fünf Tagen aufzuschieben, abhängig vom Erfolg der laufenden Treffen und Gespräche", schrieb Trump nun.
Die iranischen Revolutionsgarden drohten eine Eskalation der Angriffe an. Sollte Trump seine Drohung wahr machen und das iranische Stromnetz zerstören, werde in gleichem Maße zurückgeschlagen, erklärten die Garden am Montag. "Wenn ihr die Stromversorgung angreift, greifen wir die Stromversorgung an." Von früheren Drohungen gegen Meerwasserentsalzungsanlagen in der Region rückten die Gardenallerdings ab.
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die von Trump angekündigte Verschiebung. Er habe am Sonntag mit Trump telefoniert und ihm seine Bedenken bezüglich Angriffen auf iranische Kraftwerke vorgetragen. Ziel sei es, alles zu tun, um so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand in der Region zu kommen. Das sei im Augenblick jedoch schwierig. "Es ist viel Hoffnung dabei", betonte Merz.
Die gegenseitigen Angriffe gingen unterdessen unvermindert weiter. Israel griff nach eigenen Angaben Teheran an. Die Attacken richteten sich auf das Zentrum der iranischen Hauptstadt, teilte das Militär mit. Der Iran feuerte seinerseits in der Nacht zum Montag Raketen auf Israel ab, was unter anderem in Tel Aviv Luftalarm auslöste.
Trumps Ankündigung, die angedrohten Angriffe vorerst auszusetzen, beflügelte die Aktienmärkte und ließ den Ölpreis einbrechen. Er sank kurzzeitig unter 100 Dollar das Barrel, stieg aber wieder leicht an. Die faktische Blockade der Straße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases transportiert wird, hat bereits eine Krise ausgelöst. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, stuft sie als sehr gravierend ein. Sie sei schwerer als die beiden Ölschocks in den 1970er-Jahren und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Erdgasversorgung zusammen, so Birol.
Ein Angriff auf die Stromversorgung hätte für die Golfstaaten katastrophale Folgen, da Länder wie Bahrain und Katar ihren Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus stromintensiven Meerwasserentsalzungsanlagen decken. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind es mehr als 80 Prozent, in Saudi-Arabien 50 Prozent.
Bei dem von den USA und Israel Ende Februar begonnenen Krieg sind mehr als 2000 Menschen ums Leben gekommen. Er hat die globalen Märkte in Aufruhr versetzt und Sorgen über einen weltweiten Inflationsschub geschürt.
(bearbeitet von Kerstin Dörr und Hans Busemann, redigiert von Scot W. Stevenson Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)