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23.03.2026 /18:52:59
FOKUS 2-Trumps Rückzieher befeuert Börsen und lässt Ölpreis sinken

* Ölpreise geben bis zu 14 Prozent nach
 
*Investoren atmen auf
 
*Dax macht Satz von mehr als 1200 Punkten nach oben
 
*Analyst: "Aufschub, kein Waffenstillstand"
 
(Neu: Europäische Schlusskurse)
- von Stefanie Geiger
Frankfurt, 23. Mrz (Reuters) - Die Kehrtwende von
US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg hat zum Wochenstart die
Aktienmärkte befeuert und die Ölpreise um bis zu 14 Prozent
einbrechen lassen. Der Dax <.GDAXI> sprang zeitweise um rund 1200
Punkte nach oben, nachdem Trump angekündigt hatte, Angriffe auf
den Iran auszusetzen. Der US-Präsident erklärte, er habe das
Verteidigungsministerium angewiesen, militärische Angriffe auf
iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für fünf Tage
auszusetzen. In den beiden vergangenen Tagen habe es gute und
produktive Gespräche mit dem Iran gegeben, schrieb Trump am
Montag in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social.

Nach anfänglichen Verlusten von mehr als zwei Prozent drehte der deutsche Leitindex zeitweise um bis zu 3,6 Prozent ins Plus, zum Börsenschluss notierte er noch 1,2 Prozent höher mit 22.653 Punkten. Auch der EuroStoxx50 <.STOXX50E> gewann zeitweise mehr als drei Prozent, er ging 1,3 Prozent fester aus dem Handel. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent brach in der Spitze mehr als 14 Prozent ein und lag zum Börsenschluss 9,5 Prozent tiefer bei 101,55 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI <CLc1> verbilligte sich um 8,4 Prozent auf 89,97 Dollar je Barrel.

"AUFSCHUB, KEIN WAFFENSTILLSTAND"

Die Aussicht auf eine Deeskalation im Iran-Konflikt beflügelte zunächst auch die US-Börsen. Die wichtigsten Indizes notierten im Vormittagshandel jeweils mehr als ein Prozent fester. "Dies ist offensichtlich ein Aufschub, kein vollständiger Waffenstillstand, und wir werden sehen, was von hier an geschieht", sagte Chris Beauchamp, Marktanalyst bei IG Markets. "Aber die Märkte atmen offensichtlich auf."

Trump erklärte am Montag, es gebe Gespräche mit dem Iran und der Abschluss eines Abkommens stehe möglicherweise kurz bevor. Dem widersprach der Präsident des Parlaments der Islamischen Republik umgehend. Es gebe keine Gespräche mit den USA, schrieb Mohammad Bagher Ghalibaf auf X. Trump verbreite "Fake News", um die Ölmärkte zu beruhigen. Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden mit Angriffen auf israelische Kraftwerke und die Stromversorgung von US-Stützpunkten am Persischen Golf gedroht. Sie reagierten damit auf ein von Trump am Wochenende gesetztes Ultimatum. Er hatte am Samstag gedroht, die USA würden iranische Kraftwerke vernichten, falls die strategisch wichtige Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet würde.

DOLLAR GIBT NACH - STAATSANLEIHEN ERHOLEN SICH

Trumps jüngste Äußerungen am Montag stoppten auch den Ausverkauf am Anleihemarkt. Im Gegenzug gaben die Renditen von Staatsanleihen deutlich nach. Die Rendite der deutschen Benchmark-Bundesanleihe <DE10YT=RR> fiel wieder auf knapp unter drei Prozent. Inflationssorgen hatten die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen seit Beginn des Iran-Krieges um mehr als 40 Basispunkte steigen lassen.

Auch der Dollar gab zeitweise auf breiter Front nach. Unmittelbar nach Trumps Äußerungen verlor die US-Währung gegenüber dem Euro <EUR=> 0,7 Prozent und gegenüber dem Yen <JPY=> 0,6 Prozent. "Das ist eindeutig eine positive Entwicklung", sagte Pepperstone-Stratege Michael Brown zu Trumps Ankündigung. "Beide Seiten führen Gespräche, und dies ist das erste konkrete Zeichen einer Deeskalation, das wir seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar gesehen haben."

Allerdings sei der Krieg noch nicht vorbei. Auch wenn die Entwicklung positiv sei, seien bislang nur Angriffe auf die Energieinfrastruktur ausgeschlossen worden. "Das bedeutet vermutlich, dass militärische Aktionen an anderer Stelle zumindest vorerst weitergehen." Die iranische Botschaft in Kabul teilte mit, dass Trump nach einer "deutlichen Warnung Irans" von einem Angriff auf die iranische Energieinfrastruktur Abstand nehme.

"Es ist eindeutig eine verbale Intervention angesichts des Ausverkaufs, den wir gesehen haben", konstatierte Elias Haddad, globaler Marktstratege bei Brown Brothers Harriman. "Wir sehen eine reflexartige Reaktion auf diese positive Nachricht." Sollte es sich um eine echte Deeskalation handeln, sei eine stärkere Erleichterungsrally bei Risikoanlagen möglich.

(Bericht von Stefanie Geiger, bearbeitet von Olaf Brenner Redigiert von Scot W. Stevenson Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)



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